Auch die Politik braucht Urlaub

Erstellt am 10. August 2022 | 04:51
Lesezeit: 2 Min
Über die Schein-Debatte von Politiker-Urlauben und warum bei vielen Volksvertretern eine „Auszeit“ verpönt ist.
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„Die Teuerung macht keine Pause, die Landespolitik sollte es auch nicht.“ Mit dieser Nachricht auf Twitter hatte Niederösterreichs SPÖ-Chef und Landeshauptfrau-Stellvertreter Franz Schnabl bereits Anfang Juli eine Debatte über Politiker-Urlaube losgetreten. Diese Diskussion begleitet den Sommer seither wie die heißen Temperaturen, nachdem ÖVP-Bundeskanzler Karl Nehammer wegen der Krise seine private Auszeit storniert hat.

Sollten also alle Politikerinnen und Politiker auf ihren Urlaub verzichten? Natürlich nicht! Die Arbeitszeit der Volksvertreter liegt ohnehin das ganze Jahr über im Durchschnitt jenseits von 80 Stunden pro Woche. Und nachdem Politiker auch nur Menschen sind, haben sie sich eine Auszeit verdient, ja sind eigentlich dazu verpflichtet.

Warum das Wort „Urlaub“ in Politiker-Kreisen dennoch nur widerwillig in den Mund genommen wird, ist leicht erklärt. Es passt einfach nicht in das gern gezeichnete Selbstbild, dass Politiker jederzeit, überall und zu 100 Prozent für das Land arbeiten. Das geht so weit, dass Pressesprecher Informationen en masse als Arbeitsnachweise ausschicken, während ihre Chefs sich erholen – in der Hoffnung, auch im Urlaub medial vorzukommen. Jede Pause ist offensichtlich verpönt.

Denn die Mandatare wollen nicht nur das Land retten, sondern vor allem auch wiedergewählt werden. Da sind viele Termine in der Öffentlichkeit Pflicht. Sonst wäre es mit dem Urlaub der Politiker einfacher: Die Arbeit könnte (abgestimmt) von einem Stellvertreter erledigt werden. Blöd nur, wenn dieser in einem anderen politischen Lager beheimatet ist und damit vielleicht punktet.

Doch einer mündigen Bevölkerung ist ein erholter Politiker viel wert. Mehr jedenfalls, als wenn aufgrund von Omnipräsenz und politischem Druck der Stresslevel zu einem Totalausfall führt. Das Beispiel des Vorarlberger Landeshauptmanns Markus Wallner, der aktuell mit einem Burn-out außer Gefecht ist, sollte ein mahnendes sein.