Auf Wien folgt St. Pölten. Über die Wahl in Wien und den bevorstehenden Urnengang in St. Pölten.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:04)

Wien hat gewählt. Es gab viele Sieger, nur zwei Verlierer – und die Sozialdemokratie wurde als Bürgermeister-Partei gestärkt. Nur Stunden später verkündete Matthias Stadler, was die Spatzen bereits seit Wochen von den Dächern der Landeshauptstadt pfiffen – dass St. Pölten im Jänner 2021 wählen wird. Also zum frühestmöglichen Zeitpunkt.

Mag sein, dass die zeitliche Abfolge ein Zufall ist. Und ja, die Weltstadt Wien ist mit der 60.000-Einwohnerstadt St. Pölten nicht einmal ansatzweise vergleichbar. Aber so wie in Wien ist in St. Pölten schon vor der Wahl klar, dass die Sozialdemokratie auch nach der Wahl die bestimmende Macht bleibt. Zu stark ist Stadlers SPÖ, die 2016 mit 59 Prozent eine satte absolute Mehrheit holte. Zu weit weg sind die anderen Parteien davon, den Anspruch auf den Stadtchef-Posten stellen zu können.

Aus dieser Position heraus setzt Stadler, wie Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner vor zwei Jahren, auf einen kurzen Wahlkampf. Vorteile bringt der aus seiner Sicht gleich mehrere: ÖVP und FPÖ können sich kaum mit neuen Themen positionieren – und nur gegen das Wachstum der Stadt zu sein, wird zu wenig bringen. Grüne und NEOS werden in der kurzen Zeit nur schwer aus ihrer Rolle als Nebenerscheinung in der Landeshauptstadt herausfinden. Und dass die Wähler kurze Wahlkämpfe schätzen, ist ohnehin kein Geheimnis.

Schlagen kann sich die SPÖ also nur selbst. Dann nämlich, wenn Wählerinnen und Wähler daheim bleiben, weil die Wahl ohnehin gewonnen scheint. Stadler hat nun drei Monate, um zu zeigen, warum sie zur Urne gehen sollen, obwohl vor der Wahl schon feststeht, dass er nach der Wahl wieder Bürgermeister sein wird.