Chancen und Risiken bis zum Urnengang. Walter Fahrnberger über mögliche Sieger und abgestrafte Kampagnen im Landtagswahlkampf.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 16. Januar 2018 (03:00)

Für die ÖVP lebt eine nicht so geringe Chance, ihre absolute Mehrheit zu verteidigen. Die SPÖ hat im Rennen um Platz zwei die Nase klar vor der FPÖ. Die Grünen dürften sich nach 20 Jahren im niederösterreichischen Landtag berechtigte Hoffnungen auf eine Verlängerung machen. Und für die NEOS stehen die Voraussetzungen gut, dass sie erstmals in das Landhaus einziehen. Das sind die wesentlichsten Erkenntnisse aus der aktuellen NÖN-Umfrage zur Landtagswahl am 28. Jänner.

Doch auch weitere Erkenntnisse, die bis zum Urnengang noch entscheidend sind, lassen sich herausfiltern. Viel wird in den nächsten Tagen auf die Mobilisierungskräfte der Parteien ankommen. Laut Analyse von Meinungsforscher Peter Hajek ist jeder fünfte Wähler noch unentschlossen. Diese zu ködern, könnte ein weiteres Ass im Ärmel der Volkspartei sein. Nicht nur, weil die ÖVP den größten Parteiapparat zur Verfügung hat. Johanna Mikl-Leitner hat die mit Abstand besten Werte aller Spitzenkandidaten. Darüber hinaus kommt für die Landeshauptfrau das bei den NÖ Landtagswahlen bestehende Persönlichkeitswahlrecht als Wettbewerbsvorteil ins Spiel. Demnach sticht eine Vorzugsstimme die Parteistimme, sollten diese fälschlicherweise unterschiedlich angekreuzt werden.

Erschwert wird das Wahlziel von SPÖ, FPÖ, Grünen und NEOS, die VP-Absolute zu brechen dadurch, dass sich in Niederösterreich im Gegensatz zur Nationalratswahl absolut keine Wechselstimmung abzeichnet.

Erstmals wurden bei der NÖN-Wahlumfrage auch die Kampagnen der Parteien beurteilt. Hier zeigt sich, wie kritisch mittlerweile die Grünen nach ihrem Desaster bei der Bundeswahl betrachtet werden. Die Öko-Partei ist den Befragten am negativsten aufgefallen. Gleich dahinter liegen FPÖ (wie öfters bei blauen Wahlkämpfen) und SPÖ gleichauf. Was bedeutet, dass die viel diskutierte Spaßplakat-Kampagne von Franz Schnabl zwar Aufmerksamkeit erregt hat, die nötige Wirkung in der Wahlkabine aber verfehlen dürfte. Warum die Sozialdemokraten dennoch zulegen? Weil sie im Land als letzte Alternative links der Mitte übrig geblieben sind. Schon bei der Nationalratswahl hat ein Drittel der Grün-Wähler die SPÖ gewählt. Diese Gruppe entscheidet nun auch am 28. Jänner über die Zukunft der Grünen in Niederösterreich.