Da zu viel, dort zu wenig. Über Funktionärsprobleme der SPÖ in Niederösterreich.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 15. Oktober 2019 (03:00)

Die SPÖ hat es zurzeit nicht leicht. Gerade versuchen die Sozialdemokraten, das schwächste Nationalratswahl-Ergebnis aller Zeiten zu verdauen, müssen sie den nächsten Fauxpas kitten. Einmal mehr sorgt die in den letzten Monaten sehr verhaltensauffällige SPÖ Langenzersdorf für negative Schlagzeilen. Im Zuge des Fünffach-Mords in Kitzbühel hatte die Ortsgruppe auf Sozialen Medien von einem „nächsten FPÖ-Amoklauf“ gesprochen, weil der Täter laut dem Posting „ein glühender FPÖler“ sei. Nach dieser Aktion war die Landes-SPÖ erst nach einer Bedenkzeit in die Bresche gesprungen und hat sich entschuldigt. Noch länger dauerte es, bis die unberechenbare Orts-SPÖ zwar den Zeitpunkt, aber nicht den Inhalt der Nachricht bedauerte.

Über den (längst fälligen) Parteiausschluss des stellvertretenden SPÖ-Gemeindeparteichefs Christoph Baumgärtel will die SPÖ noch beraten. Dabei bekam dieser ohnehin bis Ende Oktober ein Funktionärsverbot auferlegt, nachdem er für den Brandanschlag auf die FPÖ-Landeszentrale in St. Pölten die FPÖ selbst als Schuldige ausgemacht hatte.

Ein ganz anderes Funktionärsproblem muss die SPÖ im gesamten Wein- und Waldviertel verdauen. Dort verloren die Roten bei der Nationalratswahl jeweils ihr Grundmandat. Über die Landesliste ziehen Spitzenkandidat Rudolf Silvan und Sonja Hammerschmid ein. Mit dem Ergebnis, dass im Bundesland nördlich der Donau nur mehr drei SPÖ-Abgeordnete vertreten sind. In diesen Regionen stellen die Grünen ebenfalls drei, die FPÖ doppelt so viele und die ÖVP siebenmal so viele Mandatare in Landtag, Bundesrat oder Nationalrat. Eine gute Basis für eine Aufholjagd sieht anders aus.