Den Schülern fehlt die entsprechende Lobby. Walter Fahrnberger über einen Rückschlag im Kampf um die tägliche Turnstunde.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 01. Mai 2018 (03:00)

„Die Kinder waren im Unterricht aufmerksamer als früher.“ „Alle sind mit Enthusiasmus dabei gewesen, auch die weniger sportlichen Schüler.“ Wenig überraschend fallen die Reaktionen auf das Pilotprojekt der täglichen Bewegungs- und Sporteinheit in Niederösterreich äußert positiv aus. Und die Praxis bestätigt einmal mehr viele Studien, die aufzeigen, wie wichtig die Bewegung für die Leistungsfähigkeit der Schüler ist.

60 Pflichtschulen im Land haben daran teilgenommen. 350.000 Euro kostete der bis zum Sommer andauernde Schulversuch in Niederösterreich. Weil für eine richtige tägliche Turnstunde ohnehin noch die nötigen Sporthallen bzw. das Geld fehlen, wird improvisiert. Aber durchaus erfolgreich. Da wird schon vor dem Regelunterricht der Turnsaal genützt, auch Pausenräume und Schulhöfe werden zu „Sport“-Plätzen umfunktioniert.

Um zumindest diese Lösung auf das ganze Bundesland auszurollen, wären pro Jahr sechs Millionen Euro nötig. Ein mehr als überschaubarer Betrag, wenn man weiß, wie viele Millionen im Gesundheitsbereich damit gespart werden könnten – abseits von Zusammenlegungen der Sozialversicherungen. Aber für diese Präventionsmaßnahme fehlt auch der neuen Regierung (noch) der Weitblick.

Denn im Sportministerium macht man jetzt einen Schritt zurück. Das NÖ-Pilotprojekt wird zwar fortgesetzt, aber nur mehr in Volksschulen. Hintergrund ist, dass bundesweit eine Vereinheitlichung kommen soll, die in der Primarstufe mit zusätzlichen Turncoaches beginnt. Eine Harmonisierung ist zwar prinzipiell gut, weil die unterschiedlichsten Initiativen ein Hemmschuh für die Einführung einer täglichen Turnstunde waren.

Weniger gut ist, dass die Anzahl der Sportstunden pro Woche nicht mehr wird und die Zehn- bis 14-Jährigen bei dem Projekt ausgespart werden. Gerade für die Teenager ist der Schulsport wichtig. Jeder Jugendtrainer weiß, dass die Drop-out-Rate bei den Sportvereinen in dieser Altersgruppe am höchsten ist.

Somit bleibt die tägliche Turnstunde wohl auch im nächsten Jahrzehnt nur eine Illusion, obwohl sie Politiker aller Couleurs begrüßen. Leider fehlt den Schülern die entsprechende Lobby – und ein Ministerressort, das sich zur Gänze für die Querschnittsmaterie aus Bildung, Sport und Gesundheit zuständig fühlt.