Die Kunden entscheiden. Über die verschärfte Kritik der Bauern an Eigenmarken des Lebensmittelhandels.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 16. April 2019 (03:00)

Die gute Nachricht für die heimische Landwirtschaft: Regionalität ist für viele Kunden heute ein wichtiges Kaufargument. Für Produkte aus der Region zahlen Menschen immer öfter bereitwillig auch ein bisschen mehr. Der Handel reagiert und bringt lokale Lebensmittel in die Regale. Die Chance, dass Landwirte für ihre Erzeugnisse einen fairen Preis bekommen, ist in den vergangenen Jahren also gestiegen.

Die schlechte Nachricht: Im harten Preiskampf setzen die Lebensmittelketten parallel dazu verstärkt auf Eigenmarken. Sie sind in der gelebten Praxis mitunter eine Antithese zur gelebten Regionalität. Sieht man von den kostspieligeren Qualitäts-Eigenmarken ab, müssen diese Produkte billig sein, ihre Herkunft ist oft nebensächlich und dem produzierenden Landwirt bleibt weniger Geld.

Das neue Duo an der Spitze der heimischen Landwirtschaft – Bauernbundobmann Stephan Pernkopf und Landwirtschaftskammerpräsident Johannes Schmuckenschlager – sagt jetzt den Handelsketten im NÖN-Interview deutlich den Kampf an: „Bei den Eigenmarken verschwindet das Gesicht der Region. Wir werden nicht mehr lange zuschauen können.“

Was das in der Praxis heißt, wird man in nächster Zeit sehen. Fakt ist, dass die Landwirtschaft nicht zum ersten Mal die Eigenmarken-Strategien des Lebensmittelhandels kritisiert. Es wird also Zeit, dass sich Vertreter der Landwirtschaft und des Handels an einen Tisch setzen und praktikable Lösungen suchen. Denn eines ist klar: Weder Bauern noch Handel entscheiden allein, wie die Zukunft der heimischen Bauern und damit der heimischen Lebensmittel aussieht. Diese Entscheidung hat jede Kundin und jeder Kunde mit in der Hand.