Echte Dezentralisierung. über die Pläne, neue Bundesdienststellen außerhalb von Wien anzusiedeln.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 16. Juli 2019 (03:00)

Das kleine Österreich hat 68 Bundesdienststellen, das wesentlich größere Deutschland kommt mit 67 aus, die vergleichbare Schweiz mit schlanken 47. Das alleine wäre schon eine politische Diskussion über eine im internationalen Vergleich überdimensionierte Bundesverwaltung wert. Die ist aber nicht in Sicht.

Ein anderes heißes Eisen werden sich aber jetzt die Landeshauptleute-Konferenz und der Bundesrat unter NÖ-Vorsitz vornehmen: Die Konzentration der Bundesdienststellen auf Wien. Auch hier macht der Vergleich sicher: In Deutschland sind die Bundesdienststellen auf 24 Städte, in der Schweiz auf elf Städte aufgeteilt. Und in Österreich? Hier sind 65 der 68 Bundesdienststellen in Wien stationiert.

Außerhalb Wiens angesiedelt sind nur die Bundesforste in Purkersdorf, das Österreichische Sprachen-Kompetenz-Zentrum in Graz und das Bundesamt für Weinbau in Eisenstadt. Und bald das Umweltbundesamt, das nach Klosterneuburg übersiedelt. Es mag in langer Vorzeit einmal Gründe gegeben haben, Bundesinstitutionen in der Bundeshauptstadt zu konzentrieren. Im Zeitalter der Digitalisierung gibt es aber kein einziges relevantes Argument dafür – allerdings sehr viele dagegen.

Denn es ist unbestritten, dass die Bundesinstitutionen selbst den Brain-Drain in die Bundeshauptstadt verstärken – und damit zugleich die Abwanderung gut ausgebildeter, junger Menschen aus entlegenen Regionen wie dem Waldviertel oder dem Alpenvorland fördern. Mit der Übersiedlung von Bundeseinrichtungen ins Wiener Umland wird man diesen Trend nicht stoppen. Sehr wohl aber mit einer echten Dezentralisierung. Gut, dass es dazu jetzt zumindest ein klares politisches Bekenntnis gibt.