Ein gefährliches Spiel.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 27. November 2018 (03:00)

Das jährliche Feilschen bei den Kollektivvertragsverhandlungen wurde heuer zum Auftakt von den Metallern mit einer Forderung von fünf Prozent mehr Lohn in bisher ungeahnte Höhen geschraubt. Dem Beispiel folgend, haben sich die Gewerkschafts-Verhandler anderer Berufsgruppen auf diesen Level eingeschossen. Untermauert mit Streikmaßnahmen, wie aktuell bei den Eisenbahnern. Proteste konnten bei den Metallern in letzter Sekunde noch abgewendet werden. Immerhin einigte man sich auf eine satte Lohnerhöhung zwischen 3 bis 4,3 Prozent. Für die Gewerkschafter war und ist auch die von der türkis-blauen Regierung beschlossene Arbeitszeitflexibilisierung mit dem 12-Stunden-Arbeitstag Antrieb für die überhöhten Forderungen.

Doch das Spiel ist nicht ungefährlich. Denn natürlich werden die Unternehmer steigende Lohnkosten auf die Preise ihrer Produkte oder Dienstleistungen aufschlagen. Sogar die staatliche ÖBB müsste bei einer überproportionalen Erhöhung die Tarife nach oben schrauben oder mehr Bundesmittel einfordern. Für kleine, personalintensive Unternehmen kann ein zu starker Anstieg der Lohnkosten existenzbedrohend sein. Das wird nicht das Ziel der Arbeitnehmervertreter sein, deren Aufschrei dann wie das Amen im Gebet folgen würde.

Außerdem darf bei den Haushaltseinkommen der – ebenfalls von dieser Regierung beschlossene – Familienbonus nicht außer Acht gelassen werden. Der ermöglicht ab 2019 jährlich pro Kind eine Steuerentlastung von bis zu 1.500 Euro. Und das bringt 220.000 Familien in Niederösterreich mehr als das eine oder andere erkämpfte Zehntelprozent beim Gehalt.