Eine Gratwanderung. Über die Verlängerung der Kurzarbeit, die wirtschaftspolitisch nicht nur Vorteile bringt.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 05. August 2020 (05:08)

Die Corona-Pandemie hat die heimische Wirtschaft in die größte Krise der Zweiten Republik gestoßen. Massive Auswirkungen am Arbeitsmarkt waren die Folge. Nach wie vor sind in Niederösterreich über 60.000 Personen arbeitslos. Insgesamt waren von den 660.000 Erwerbstätigen im Bundesland mehr als 300.000 (statistisch fast jeder Zweite) seit Ausbruch des Virus einmal in Kurzarbeit.

Die – für Arbeitgeber und Arbeitnehmer – attraktive Kurzarbeit sichert den Firmen ihren Fortbestand in der Krise und verhindert eine noch höhere Arbeitslosigkeit. Für einige aber ist das Modell fast zu attraktiv. Schwarze Schafe in den Reihen der Unternehmer haben die Aktion samt Mitarbeiter ausgenutzt und somit Staat und Steuerzahler betrogen.

Dass sich nun in der Vorwoche Regierung und Sozialpartner auf eine Verlängerung der Kurzarbeit von Oktober bis März 2021 mit einer leicht adaptierten Variante einigten, wird für einige Betriebe in den von der Krise stark betroffenen Branchen überlebenswichtig sein. Wirtschaftspolitisch betrachtet ist es allerdings eine Gratwanderung. Einerseits werden weiter Firmen gestützt, die auch ohne Corona langfristig nicht überlebt hätten. Andererseits bremst eine Defensiv-Strategie das Wachstum.

Damit der Wirtschaftsmotor wieder richtig anspringt, muss die Produktivität gesteigert werden. Wird auch nur ansatzweise abgewogen, neue Aufträge abzulehnen, um Mitarbeiter in Kurzarbeit zu belassen, geht der Schuss nach hinten los. Wie Studien belegen, wird ein erheblicher Teil der Jobs trotz Kurzarbeit nicht zu halten sein. Folgen die Kündigungswellen nächstes Jahr, ist das nicht im Sinne des Erfinders – und trifft die Steuerzahler doppelt.