Eine historische Wahl. über die großen SPÖ-Verluste in ehemaligen roten Hochburgen.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 28. Januar 2020 (03:00)

In allen 567 Gemeinden anzutreten und an Stimmen und Mandaten zuzulegen: Dieses Ziel hatte die SPÖ im Vorjahr für die Gemeinderatswahl ausgegeben. Während die niederösterreichweit lückenlose Kandidatur schon im Spätherbst abgeschrieben werden musste, kam für die Sozialdemokraten am Wahlsonntag die nächste Breitseite. Landesweit verlor die SPÖ 348 Mandate. Noch mehr schmerzt aber wohl der Verlust der relativen Mehrheiten in den ehemals tiefroten Hochburgen wie Wiener Neustadt, Gmünd oder Amstetten.
Während in den beiden ersten Städten die ÖVP bereits mittels Koalitionen den Bürgermeister stellte, wurde die Mostviertel-Metropole noch bis zuletzt von der SPÖ regiert. Das ist seit Sonntag Geschichte. In Wiener Neustadt hält die ÖVP nun erstmals in der Zweiten Republik die Mehrheit im Gemeinderat. Das ist historisch. Somit bleiben Krems und die Landeshauptstadt St. Pölten als letzte rote Bastionen im Land – beide Statutarstädte haben am Sonntag nicht gewählt.

Die schon für diese Gemeinderatswahl erhoffte Trendwende in der SPÖ wird damit weiter erschwert. Denn trotz der oftmals propagierten 567 Einzelwahlen haben sich bei dieser Gemeinderatswahl auch die aktuellen Stimmungslagen der Parteispitzen durchgeschlagen. Was die SPÖ in den Kommunen gebremst hat, wurde für ÖVP-Ortsgruppen zum Rückenwind. Die Türkisen haben es als Bewegung geschafft, (auch junge) Kandidaten und Wähler zu mobilisieren. Eine Mammutaufgabe, die der SPÖ noch bevorsteht. Und die jetzt mit einer stark geschwächten Basis bewältigt werden muss. Ein Teufelskreis – auch in Hinblick auf die NÖ Landtagswahl 2023.