Es geht um viel – für uns alle

Erstellt am 18. Jänner 2023 | 05:03
Lesezeit: 2 Min
Über den extrem kurzen Wahlkampf, in dem jetzt endlich über Zukunftsthemen diskutiert werden muss.
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„Wahlkampf ist die Zeit fokussierter Unintelligenz. Da passieren halt gelegentlich Dinge, die nicht gescheit sind – leider auch in der eigenen Partei.“ Treffender als einst Wiens Bürgermeister Michael Häupl kann man die Zeit des Wahlkampfes nicht beschreiben. Wir in Niederösterreich befinden uns gerade mittendrin, der Endspurt steht bevor. Und es geht diesmal trotz kurzen Wahlkampfes für alle Parteien um viel. Doch was machen wir? Wir diskutieren über „Klimakleber“, obwohl sich auf einer niederösterreichischen Straße noch niemand festgeklebt hat. Wir diskutieren über Asyl-Chaos, obwohl die Zahl der Asylwerbenden zurückgeht. Und wir diskutieren über einen „roten Hanni“ (Eigendefinition Franz Schnabl), der sich von den Medien im Stich gelassen fühlt.

In einer normalen Zeit könnte man das alles noch schmunzelnd zur Kenntnis nehmen – nach dem Motto: „Glückliches Niederösterreich.“ In einem Jahr wie 2023 spielt es das aber nicht. Wir stehen vor enormen Herausforderungen, die wir nur mit einem Plan bewältigen können. Die ärztliche Versorgung ist in weiten Teilen des Landes prekär, die Situation in der Pflege ebenfalls. Die Klimakrise schreitet ungebremst voran, die Teuerung ist ungebrochen hoch, die Kinderbetreuungssituation ist gerade in ländlichen Gemeinden mau und das Bildungssystem höchst reformbedürftig. Zudem ist aus dem Fachkräftemangel ein Arbeitskräftemangel geworden, der angesichts der demografischen Entwicklung auch ein Umdenken in der Migrationsdebatte erforderlich machen wird.

Die Antworten auf die meisten dieser Fragen haben die wahlwerbenden Parteien zwar, im Wahlkampf gehen sie dennoch unter. Leider. Denn eine Wahl sollte die Entscheidung für etwas sein – für eine Partei oder eine Person und deren Konzepte. Es wird auch an uns Medien liegen, im Wahlkampf-Finale den Fokus stärker auf die Inhalte der wahlwerbenden Parteien zu lenken – und nicht deren Spiel mit den Emotionen mitzumachen.