Farbenspiele vor der Nationalratswahl. Walter Fahrnberger über zwei politische Überläufer mit unterschiedlichen Vorzeichen.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 15. August 2017 (03:00)

Pünktlich vor Ende der Einreichfrist für Landeswahlvorschläge kommenden Freitag hatten politische Wechselspielchen wieder Hochsaison. Im Blickpunkt aus NÖ-Sicht dabei die FPÖ. Barbara Rosenkranz, langjährige Chefin der niederösterreichischen Freiheitlichen und 2010 sogar Bundespräsidentschaftskandidatin der Blauen, hat nach 28 Jahren ihre politische Heimat verlassen. Und das nicht ganz freiwillig. Auf der FPÖ-Landesliste für die Nationalratswahl wurde sie vom (nicht verwandten) Landesparteiobmann Walter Rosenkranz abserviert und an unwählbarer Stelle platziert. Nun tritt sie als NÖ-Spitzenkandidatin der „Freien Liste Österreich“ an. Für die Partei des 2015 aus der FPÖ ausgeschlossenen Salzburgers Karl Schnell ist die Kandidatur von Barbara Rosenkranz ein Segen. Im größten Bundesland hat er sich für den Urnengang am 15. Oktober das nun bekannteste Gesicht in seiner Gruppierung geangelt. Der Einzug ins Hohe Haus wird aber wohl auch mit Barbara Rosenkranz zur Mission impossible.

Sehr wahrscheinlich ist ein Sitz im Nationalrat hingegen für Robert Lugar. Mit ihm läuft jener Mann zur FPÖ über, den Parteichef Heinz-Christian Strache vor fünf Jahren noch als „Verräter“ bezeichnet hatte. Den Unmut Straches hatte sich Lugar damals eingehandelt, weil er nach seinen Anfängen bei der FPÖ in Baden erst als Nationalratsabgeordneter zum BZÖ und 2012 dann zum Team Stronach gewechselt war. Doch in der Politik wird leicht und gern vergessen, wenn’s weiterhilft.

Jetzt ist der Perchtoldsdorfer vom aufgelösten Team Stronach geflohen und am aussichtsreichen achten Platz auf der freiheitlichen Bundesliste untergekommen. Bringen wird der Antritt des Polit-Chamäleons Lugar aber wohl nur ihm persönlich etwas. Und zwar die monatlichen 8.700 Euro brutto als Abgeordneter für die nächsten fünf Jahre.

Auch wenn sich Robert Lugar in seiner Stronach-Ära politisch stets am rechten Rand platziert hatte, wird er keine Schar an neuen freiheitlichen Wählern mobilisieren. Im Gegenteil: Genau diese Überläufer vertiefen die Kratzer am ohnehin ramponierten Politiker-Image enorm. Wie soll man einem das Gelöbnis der „unverbrüchlichen Treue zur Republik Österreich“ abnehmen, wenn er das bereits dreimal nicht einmal für seine ideologische Gesinnung geschafft hat.