Flexibel zum Urnengang. Walter Fahrnberger über die Vorboten zur Arbeiterkammerwahl in Niederösterreich.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 19. Februar 2019 (03:00)

Vermehrte Betriebsbesuche von Politikern, Infoschreiben an die Arbeitnehmer und erhöhtes Plakataufkommen. Das sind die eindeutigen Indizien, dass in Niederösterreich bald die Arbeiterkammerwahlen anstehen. In einem Monat ist es so weit. Doch viele unter den rund 500.000 Wahlberechtigten kratzt das jetzt genauso wenig wie in vier Wochen der Urnengang.

Bei der letzten AK-Wahl vor fünf Jahren haben nur mehr 40 Prozent der Arbeitnehmer ihre Stimme abgegeben. Und wie die Anfang Februar bereits geschlagenen Arbeiterkammerwahlen in Salzburg, Tirol und Vorarlberg gezeigt haben, ist keine entscheidende Trendumkehr zu erwarten. Dort gingen jeweils nur mehr ein Drittel der Arbeitnehmer zur Wahl.

Das ist alarmierend. Denn wer eine starke Interessenvertretung will, muss zumindest seine Stimme abgeben – egal welcher Gruppierung. Dabei gibt es bei den Arbeitnehmern ohnehin genug Themen. Allen voran die seit September des Vorjahres von der türkis-blauen Bundesregierung eingeführte Arbeitszeitflexibilisierung mit dem 12-Stunden-Arbeitstag und der 60-Stunden-Arbeitswoche. Die hat bekanntlich für heftige Diskussionen gesorgt.

Nun stellt sich die Frage, ob die von der SPÖ so vehement bekämpfte Gesetzesänderung in der Realität eine spürbare Verschlechterung für die Arbeitnehmer darstellt. In dem Fall könnte die in Niederösterreich klar stärkste Kraft, die Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG), einen regen Stimmenzuwachs verspüren. Andernfalls ist die Mehrheit wohl in der zeitgemäßen Arbeitswelt angekommen. Und dort sollen alle Arbeitnehmer flexibel genug sein, um auch von ihrem Wahlrecht bei der AK-Wahl Gebrauch zu machen.