Hemd näher als der Rock. über Franz Schnabl und Gottfried Waldhäusl, die ihren Parteien die Leviten lasen.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 03. Dezember 2019 (03:02)

In den vergangenen Tagen erlebten wir auf Bundesebene eine verkehrte Welt. ÖVP und Grüne verhandeln über die erste türkis-grüne Bundesregierung – und tun das weitgehend abseits des medialen Scheinwerfer-Lichts. Das liegt aber nicht so sehr an der Disziplin der türkisen und grünen Verhandler, denen kaum eine Silbe über den Stand der Gespräche zu entlocken ist, sondern an den chaotischen Zuständen in den potenziellen Oppositionsparteien SPÖ und FPÖ. Beide sind derzeit ausschließlich mit sich beschäftigt.

Just aus Niederösterreich kommen in beiden Parteien nun scharfe Töne. So stellte sich der sonst bundespolitisch zurückhaltende SPÖ-Landesparteichef Franz Schnabl gleich an die Spitze der Kritiker, bezeichnete die aktuelle Situation als „Albtraum“, polterte gegen kostspielige Berater-Verträge, ortete eine Entsolidarisierung der Funktionäre und sieht die SPÖ derzeit weder als „regierungsfähig noch als oppositionsfähig“. Bei der FPÖ war es einmal mehr der streitbare Landesrat Gottfried Waldhäusl, der seinen Partei-Kollegen in Wien die Leviten las und forderte, dass die Wiener Landesgruppe von der FPÖ ausgeschlossen werden müsse – sollte sie Heinz-Christian Strache nicht umgehend aus der Partei werfen.

Die starken Töne kommen wohl nicht zufällig aus dem Bundesland mit den meisten Wahlberechtigten: Am 26. Jänner stehen in 567 der 573 NÖ-Kommunen die Gemeinderatswahlen an, und sowohl für die FPÖ als auch für die SPÖ steht viel auf dem Spiel. Bundespolitischen Gegenwind können Schnabl und Waldhäusl dabei nicht brauchen – die ÖVP ist auch so schon übermächtig genug. Das sprichwörtliche Hemd ist Politikern halt doch näher als der Rock.