Hilfeschrei der Gastro. Über herausfordernde Zeiten für das Dorfwirtshaus am Land.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 28. Juli 2021 (05:18)

Die Wiederöffnung der Gastronomie Mitte Mai war eine der emotionalsten Erleichterungen nach dem Lockdown. Endlich wieder das Schnitzel und ein Bier in geselliger Runde genießen zu können oder mit Freunden einen Kaffee trinken zu gehen, gab vielen das verloren gegangene Gefühl von Freiheit zurück. Bei den Betreibern der Wirtshäuser und Restaurants fällt zehn Wochen nach der Öffnung die Bilanz jedoch äußerst durchwachsen aus.

Während die gehobene Gastronomie mit der Auslastung sehr zufrieden ist, beklagt die breite Masse der Dorfwirtshäuser Umsatzeinbußen von bis zu 45 Prozent. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Für den kurzen Besuch beim Wirten ist einigen (nicht Geimpften) der Aufwand fürs Testen zu umständlich. Andere wiederum fürchten ein Gesundheitsrisiko, weil die Einhaltung der 3G-Regeln oft nur lasch oder gar nicht kontrolliert wird.

Diese Sorge kann Wirtesprecher Mario Pulker weitgehend entkräften: Nur 0,5 Prozent aller Infektionen sind auf Tagesgaststätten zurückzuführen. Ganz im Gegensatz zur Nachtgastronomie, die für 28 Prozent der Neuansteckungen verantwortlich ist, was nun verschärfte Maßnahmen erfordert.

Im Lichte der kollektiven Notlage in Teilen seiner Branche hat Pulker mit der Forderung einer generellen Impfpflicht übers Ziel geschossen – und dafür auch aus eigenen Reihen Kritik geerntet. Ein lauter Hilfeschrei der Klein-Gastronomie war es aber allemal. Nachfolgeproblematik am Land, Personalmangel und die Covid-Regeln – die jetzt strenger kontrolliert werden – sind kaum bewältigbar. Mit dem Wirtshaus ist eine wichtige soziale Einrichtung in Gefahr. Stirbt diese aus, wirkt das schwerer als „nur“ der Verlust eines Betriebes.