Jetzt ist Mikl-Leitner richtig angekommen. Walter Fahrnberger über den Weg der Landeshauptfrau zum historischen Erfolg.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 30. Januar 2018 (03:00)

„Absolute Mehrheiten sind heutzutage nicht mehr erreichbar.“ Mit dieser Aussage hat Johanna Mikl-Leitner wenige Wochen vor der Landtagswahl ihre Zielvorgabe nach unten geschraubt. Die stärkste Landesparteiorganisation österreichweit wolle sie mit der ÖVP bleiben. Damit hätte die SPÖ im Burgenland mit ihren 41,9 Prozent die Richtmarke gesetzt. Und das, obwohl viele Umfragen bereits ein viel freundlicheres Bild für die Volkspartei in Niederösterreich zeichneten. Seit Sonntag ist die Landeshauptfrau um einen sensationellen Erfolg und eine Erfahrung reicher.

Auch wenn bewusst tiefgestapelt wurde. Das Ergebnis gibt der Wahlsiegerin recht. Dabei hatten ihr die Verteidigung der absoluten Mehrheit bei der Übernahme des Amtes von Erwin Pröll nur die wenigsten zugetraut. Jetzt ist die ÖVP-Absolute Realität. Eine Niederlage für alle anderen Parteien, deren oberstes Ziel es war, dies zu verhindern.

Nicht verhindern konnten sie schließlich die politische Entwicklung von Johanna Mikl-Leitner. Im herausfordernden Innenministerium hatte sie ab 2011 nicht selten mit Kritik und mäßigen Sympathiepunkten zu kämpfen. 2016 ist Mikl-Leitner in „ihr“ Bundesland heimgekehrt – und seit Sonntag dort so richtig angekommen. Mit ihrer Amtsübernahme änderte sich auch der Stil der Volkspartei. Im vergangenen Jahr schnellte Mikl-Leitners Beliebtheitswert auf über 80 Prozent hinauf. Das viel zitierte „Miteinander“ hielt Einzug. Und genau das hat die Bevölkerung am Sonntag goutiert. Von Streit und verbalen Entgleisungen hatten die Niederösterreicher nach den Wahlkämpfen zur Bundespräsidentenwahl bzw. der Nationalratswahl genug.

Doch jeder Sieger ist nur so stark, wie es die Gegner zulassen. Auch das hat zum ÖVP-Erfolg geführt. Denn die SPÖ hatte Franz Schnabl mit der schrägen Kampagne zwar in kurzer Zeit bekannt gemacht – aber für zu wenige wählbar. Und von den zehn Prozent der frei gewordenen Team Stronach-Stimmen aus 2013 sind am Sonntag letztlich mehr zur ÖVP gewandert, als der FPÖ lieb war. Verantwortlich dafür ist die NS-Liederbuch-Affäre in der Burschenschaft des freiheitlichen Spitzenkandidaten Udo Landbauer. Der scheinbar sichere Wahlsieger FPÖ hat es so trotz des größten Zuwachses von 6,6 Prozent geschafft, als Verlierer aus dieser Wahl zu gehen.