Mehr Chance als Bürde. Über immer mehr Wahlmuffel und warum der Urnengang bei der EU-Wahl auch für die Regionen so wichtig ist.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 09. April 2019 (03:00)

Landauf und landab wurde heuer eifrig das 100-jährige Jubiläum des Frauenwahlrechts in Österreich gefeiert. Zu Recht. Schließlich ist die Gleichstellung in vielen Bereichen nach wie vor keine Selbstverständlichkeit. Hingegen scheint das Wahlrecht allgemein aus der Mode gekommen zu sein – und zwar bei Frauen und Männern.

Jüngste Beispiele zeugen von einer demokratiepolitisch bedenklichen Entwicklung: So ist bei der Arbeiterkammerwahl in Niederösterreich die Wahlbeteiligung mit 38 Prozent auf einen Tiefpunkt gesunken. In westlichen Bundesländern machte sogar nur ein Drittel der Arbeitnehmer vom Stimmrecht Gebrauch. Ein ähnlicher Trend zeichnete sich bei der Gemeinderatswahl in Salzburg ab, wo in der dortigen Landeshauptstadt nicht einmal jeder Zweite seine Stimme abgab. Dabei genießt vor allem die Lokalpolitik noch das größte Vertrauen und Interesse der Bevölkerung.

Und nun steht mit der EU-Wahl jener Urnengang ins Haus, dessen Protagonisten für die Mehrheit gefühlt am wenigsten greifbar sind. Das zeigte 2014 die Wahlbeteiligung von nur 45 Prozent. Aber vielleicht bringt heuer der Blick nach Großbritannien die nötige Motivation, zur Wahl zu gehen. Dort wären angesichts des bevorstehenden Brexit viele froh, könnten sie ihre Stimme fürs EU-Parlament abgeben.

Denn zu globalen Entscheidungen wie dem neuen Urheberrechtsgesetz im Internet werden in Brüssel und Straßburg oft Weichen für die regionale Entwicklung gestellt. Das zeigen unzählige Projekte in Niederösterreich, die mit EU-Geldern finanziert werden. Sein Stimmrecht zu nützen ist (auch hier) mehr Chance als Bürde. Das war manchen vor 100 Jahren offenbar noch etwas klarer.