Österreich

Erstellt am 04. Dezember 2018, 02:48

von Daniel Lohninger

„Miteinander“ in Gefahr.

Eines muss man Gottfried Waldhäusl lassen: Ihn kennt mittlerweile ganz Österreich. Nicht schlecht für einen, der sich in drei Jahrzehnten vom Gemeinderat im 1.000-Einwohner-Ort Pfaffenschlag unbeschadet durch alle FPÖ-Turbulenzen in die Landesregierung hochgearbeitet hat.

Seit er dort sitzt, sorgt er regelmäßig bundesweit für Aufregung, zuletzt eben mit der überstürzt anmutenden Eröffnung eines Quartiers für „auffällig gewordene“ jugendliche Asylwerber in Drasenhofen.

Angesichts von Stacheldrahtzäunen, Securitys mit Wachhunden und harscher Kritik von NGOs sowie der Kinder- und Jugendanwaltschaft zog Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner die Notbremse und schloss die Unterkunft in der ehemaligen Grenzpolizeistation. Auf den ersten Blick war das eine schwere Niederlage für den streitbaren Waldviertler.

Auf den zweiten Blick wird aber schnell klar, dass Waldhäusl mit Mikl-Leitners Machtwort gut leben kann. Er hat sich einmal mehr als Hardliner profiliert, der aufräumt mit tatsächlichen oder vermeintlichen Missständen, der auch bei heftigem Gegenwind seiner Linie treu bleibt. Und genau das ist es, was große Teile der FPÖ-Wählerschaft von ihm erwarten.

Die andere Seite der Medaille ist, dass es in Drasenhofen nicht um politische Spielchen ging, sondern um Menschen-Schicksale. Dass ein Teil der Jugendlichen einfach abtauchte und damit jetzt unbetreut irgendwo im Land unterwegs ist.

Und dass Waldhäusl für Mikl-Leitner und ihren Kurs des „Miteinanders“ zunehmend zur Belastung wird. Das Dilemma für sie: Fällt Waldhäusl, droht Udo Landbauer zu kommen. Und mit ihm hat Mikl-Leitner eine Zusammenarbeit infolge der „Liederbuch-Affäre“ bekanntlich ausgeschlossen.