Mütter fördern ist keine Frage der Ideologie. Thomas Jorda über das Problem der geringen Rate an Geburten. Woran das liegt, und was Niederösterreich dagegen tun kann und wird.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 19. September 2017 (03:00)

Die Zahlen sind deutlich. Aktuell bringt jede österreichische Frau 1,51 Kinder zur Welt. Rechnet man dazu jeweils einen Vater, muss man kein Mathematikgenie sein, um zu sehen, dass die Nation über kurz oder lang ausstirbt.

Nein, das ist jetzt kein Appell, möglichst viele Migranten ins Land zu holen, um das aufzufangen (auch wenn das durchaus ein Argument sein kann, aber das ist ein anderes Thema). Die Frage ist vielmehr, warum es in Österreich an der Kinderzahl hapert.

Wer sich damit beschäftigt und über den Tellerrand blickt, sieht sehr schnell, dass nicht Kinderfeindlichkeit die Ursache ist, sondern die Rahmenbedingungen für Frauen äußerst schlecht sind. Beruf und Kinder sind immer noch sehr schwer vereinbar.

Und wer Frauen schmackhaft machen will, sich auf die Betreuung von Kindern und die Pflege der Familie zu beschränken, stößt bald an Grenzen. Denn immer mehr, immer besser ausgebildete Frauen wollen das nicht.

Mit Ideologie lässt sich das Problem nicht lösen. Natürlich steht es jeder Frau frei, sich auf die Familie zu konzentrieren. Und niemand möge das kritisieren. Aber das gilt auch umgekehrt, wie es häufig noch geschieht. Es ist kein Zufall, dass der Begriff Rabenmutter, der eine Frau meint, die sich zu wenig um ihre Kinder kümmert, nur im deutschen Sprachraum zu finden ist. Nirgendwo anders gibt es eine vergleichbare Bezeichnung.

Spitzenreiter in der Fertilitätsrate ist Frankreich, wo jede Frau im Schnitt über zwei Kinder zur Welt bringt. Nein, das sind keine besseren Mütter, dort – und auch im skandinavischen Raum – sind die Rahmenbedingungen eben deutlich besser. Da kann eine Familie Kinder bekommen, und trotzdem haben beide Elternteile dieselben Chancen, sich beruflich weiterzuentwickeln. In Österreich reicht es nicht einmal zum Recht auf einen Papamonat in der Privatwirtschaft.

Eine der wichtigsten Maßnahmen, um die Kinderzahl zu heben, ist neben der Förderung der Mitarbeit von Vätern in der Familienarbeit vor allem das Angebot von Betreuung im Vorkindergartenalter. Niederösterreich wird deshalb mithilfe der EU 61 Millionen Euro in eben diese Betreuung der Null- bis Zweieinhalbjährigen, vor allem in strukturschwachen Gebieten, stecken. Das ist eine sehr kluge, nicht ideologiegetriebene Initiative.