Niederösterreich ist entscheidend. Über unterschiedliche Schwerpunktsetzungen im Nationalratswahlkampf und ein zentrales Thema für NÖ.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 10. September 2019 (05:04)

Unterschiedlicher hätten die offiziellen Wahlkampfstarts der Traditionsparteien ÖVP und SPÖ in Niederösterreich vergangene Woche gar nicht sein können. In der bis auf den letzten Platz gefüllten Messehalle Tulln bejubelten mehr als 3.500 NÖ-Funktionäre der Volkspartei ihren Bundesspitzenkandidaten Sebastian Kurz. Die SPÖ beging tags darauf bei strömendem Regen am St. Pöltner Riemerplatz ihren Auftakt. Mit dabei eine knappe Hundertschaft von Sympathisanten, nicht aber Spitzenkandidatin Pamela Rendi-Wagner, die bereits tags zuvor im Weinviertel wahlkämpfte.

Ein Spiegelbild der aktuellen Kräfteverhältnisse oder terminliche Auswirkungen der bereits inflationären TV-Duelle? Nicht nur. Sehr wohl aber zeigt es die unterschiedliche Wahrnehmung des größten Bundeslandes.

Für Kurz ist die Achse mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und deren starke Landes-ÖVP enorm wichtig. Und er hievt nicht selten NÖ-Themen wie zuletzt Mikl-Leitners Forderung nach mehr Medizinstudienplätzen im Kampf gegen den Ärztemangel auf die Bundesebene. Rendi-Wagner hat ihre Heimat Wien stärker im Fokus als Niederösterreich mit der größten roten Landesparteiorganisation. Hier sind aber mit 1.292.634 Wahlberechtigten die meisten Stimmen zu holen.

Sorgen der ländlichen Bevölkerung anzusprechen, kann also wahlentscheidend sein. Eine davon, die mangelnde ärztliche Versorgungssicherheit im Flächenbundesland, hat sich bis nach Wien durchgesprochen. Deshalb kommt Rendi-Wagner am Mittwoch doch noch nach St. Pölten und gibt eine Pressekonferenz zum Thema. So kommt Bewegung ins Thema Gesundheitsversorgung. Hoffentlich nicht nur im Wahlkampf.