Öffis sind beste Medizin gegen das Stau-Chaos. Daniel Lohninger über Bevölkerungsprognosen und die Notwendigkeit für einen raschen Öffi-Ausbau.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 12. Dezember 2017 (03:00)

Die Lippenbekenntnisse der Politik kennen wir alle. Der Öffentliche Verkehr muss attraktiver werden, heißt es seit Jahrzehnten. Schwieriger wird es dann schon, wenn es um die Details geht – um den Takt, um die Infrastruktur und um das eingesetzte Wagen- oder Busmaterial. Und natürlich, wenn es darum geht, wer zahlt. Immer gilt, dass Bund, Land, Städte und Verkehrsdienstleister in Vorleistung gehen und dann hoffen müssen, dass die Pendler das teuer erkaufte Angebot tatsächlich nutzen und wirklich vom Auto auf die Schiene oder den Bus wechseln.

Dass sich dieser Mut bezahlt macht, zeigt gegenwärtig die Westbahnstrecke. Mit einer Fahrzeit von 25 Minuten von St. Pölten nach Wien und 55 Minuten zum Flughafen Schwechat, wo man sich nebenbei das teure Ticket in einem der Parkhäuser spart, ist der Zug konkurrenzlos schnell und obendrein auch so gut wie immer pünktlich – und zudem garantiert staufrei. Der erwünschte Effekt: Fast 20 Prozent mehr Fahrgäste innerhalb weniger Monate zwischen St. Pölten und Wien, die das Auto stehen lassen und mit dem Zug zwischen Bundeshauptstadt und Landeshauptstadt unterwegs sind. Der unerwünschte Nebeneffekt: Ab St. Pölten gibt es kaum mehr einen Zug, in dem noch ein Sitzplatz frei ist – Stehplätze sind zur Normalität geworden.

Der Fahrplanwechsel bringt durch zusätzliche Verbindungen zum Westbahnhof zwar sicher etwas Linderung, das Problem dahinter bleibt aber gleich: Durch die komplexe Abstimmung zwischen Dienstleister und Besteller – also dem Land – ist das Angebot immer zumindest einen Schritt hinter der Nachfrage zurück. Es ist deshalb eine gute Nachricht, dass der neue Verkehrsdienstevertrag des Landes ab 2019 auf dem Mobilitätskonzept 2030+ aufbaut. Damit ist gewährleistet, dass zumindest die erwartete Nachfrage sowie Bevölkerungsprognosen mehr als bisher in die Fahrplangestaltung einfließen. Und wenn man weiß, dass 2030 etwa 300.000 Menschen mehr in Niederösterreich und Wien leben als heute, dann weiß man auch, welche Herausforderungen hier auf die Verkehrspolitik zukommen. Bewältigt werden können diese Herausforderungen nur durch ein Mehr an Öffis und ein Weniger an Individualverkehr. Gelingt das nicht, werden Zustände wie auf der Südosttangente zur Normalität werden.