Reden wir übers Alter. Über den demografischen Wandel, der im politischen Diskurs leider immer noch viel zu kurz kommt.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 09. Juli 2019 (03:00)

2030 wird jeder dritte Niederösterreicher älter als 60 Jahre sein. Bereits in sechs Jahren werden 5.000 Landsleute mehr als heute auf Pflege angewiesen sein – mobil und stationär zusammengerechnet. Das sind nur zwei Erkenntnisse des NÖ Altersalmanach, die zeigen, in welchem grundlegenden Wandel sich unsere Gesellschaft befindet.

In einem Land, in dem es für Zuwanderung nur geringe Akzeptanz gibt, bedeutet dieser Wandel, dass immer weniger junge Menschen immer mehr ältere Menschen erhalten müssen. Dass die Wirtschaft auf immer weniger Arbeitskräfte zurückgreifen kann. Dass mehr in Einrichtungen für Seniorinnen und Senioren investiert werden muss als in Kindergärten. Dass die Finanzierung der Pflege zu einem Hauptthema der Zukunft wird, weil der Generationen-Vertrag auf Dauer nicht mehr funktionieren kann.

Politische Diskussionen über Antworten auf diesen Wandel gibt es derzeit leider kaum – lieber streitet man über Parteienförderungen, erlässt mal schnell ein Glyphosat-Verbot und überlegt sich, wie man Flüchtlinge fernhalten kann. Und kommt dann einmal ein Vorschlag für eine Pflegeversicherung, wie jüngst von der ÖVP, wirkt er zum einen unausgegoren und wird zum anderen vom politischen Gegner wegdiskutiert. Motto: „Za wos brauch’ ma des?“

Aber noch ist es nicht zu spät: Der Nationalratswahlkampf steht erst in den Startlöchern. Wie wäre es, wenn ihn die Bundespolitikerinnen und Bundespolitiker diesmal nutzen, um über wirklich wichtige Dinge zu reden – wie den demografischen Wandel und unseren Umgang damit. Damit nicht nur die heute Alten in Würde und mit hoher Lebensqualität altern können, sondern auch die heute Jungen.