Schluss mit Geiz ist geil. Über Billig-Angebote, die eine der Ursachen für skandalöse Produktionsbedingungen sind.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 24. Juni 2020 (03:46)

Geiz ist geil. Der Slogan, mit dem eine Elektromarktkette lange Zeit um Schnäppchenjäger warb, ist heute in vielen Bereichen selbstverständlicher Teil unseres Konsumverhaltens. Der Handel wirbt mit Sonderangeboten, eigene Billig-Marken sollen Qualität zum billigen Preis vortäuschen. Und wir Konsumenten greifen nur allzu gerne zu, wenn wir glauben, dass wir uns ein paar Euro sparen können.

Die Coronakrise führt uns jetzt sehr eindrucksvoll die Schattenseiten dieser „Geiz ist geil“-Logik vor Augen. Sie lenkt den Blick auf die skandalösen Zustände in deutschen Schlachthöfen (deren Produkte auch bei uns im Handel landen), auf die Ausbeutung von Erntehelferinnen und Erntehelfern im Marchfeld, auf Dumpinglöhne bei Billig-Airlines und auf menschenunwürdige Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern in manchen Verteilzentren.

Und was tun wir? Wir reagieren mit Entsetzen, suchen die Schuld bei profitgierigen Unternehmern oder schauen weg. Diese Zustände sind allerdings kein Zufall, sie sind die direkte Folge der „Geiz ist geil“-Mentalität. Denn was haben wir erwartet, wenn wir im Supermarkt zum billigsten Schnitzel oder Gemüse greifen, um 19,90 Euro nach London fliegen und uns dutzende Packerl schicken lassen, die wir kostenlos wieder retournieren? Irgendjemand zahlt die Rechnung. Tun wir es als Konsumenten nicht, zahlen sie andere Menschen, die Tiere oder unsere Umwelt.

Die Coronakrise ist vor diesem Hintergrund eine Chance für ein Umdenken und das Ende der „Geiz ist geil“-Mentalität. Produkte müssen wieder das kosten, was sie wert sind. Alles andere können wir uns als Gesellschaft auf Dauer nicht leisten.