Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage. Walter Fahrnberger über das Kanzler-Duell, das auch für die Kleinparteien zur Überlebensfrage wird.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 12. September 2017 (03:00)

Sebastian Kurz kann es selbst schon nicht mehr hören. Mehrmals täglich wird der Chef der neuen Volkspartei auf seinen großen Vorsprung im Wahlrennen und den so gut wie sicheren Erfolg angesprochen. Siegessicher sind auch seine Mitstreiter, wie der NÖ-Wahlkampfauftakt in St. Pölten vor 5.000 Gästen bewiesen hat. Und dass Kurz, wie er im NÖN-Gespräch sagt, keinen Plan B habe, spricht auch für seine Zuversicht. Doch der Außenminister wird nicht müde zu trommeln, dass (no na) am 15. Oktober abgerechnet wird.

Kurz warnt damit wohl auch vor Parallelen zu 2006 – mit umgekehrten Rollen. Damals war die ÖVP mit Kanzler Wolfgang Schüssel bis zur letzten Wahlkampfwoche in allen Umfragen voran. Doch im Finish schaffte SPÖ-Herausforderer Alfred Gusenbauer noch den Sprung ins Kanzleramt, trotz Bawag-Skandal als Bremsklotz. Jetzt hat scheinbar auch Gusenbauer-Freund Christian Kern den anfangs sehr hohen Kanzlerbonus verspielt. Der Regierungschef mutiert zum Herausforderer und agiert mittlerweile auch als solcher. Der unsägliche Slogan „Holt euch, was euch zusteht“, die Affäre um Berater Tal Silberstein und die schiefe Optik beim ORF-Sommergespräch mit Urlaubs-Partner Tarek Leitner verkleinerten den Rückstand nicht.

Doch im letzten Monat vor der Wahl kann viel passieren. Auch weil unzählige TV-Duelle der Spitzenkandidaten am Programm stehen. Und wieder werden die laufenden Prognosen der Meinungsforscher das Ergebnis am Wahlabend mit beeinflussen. Was vor allem für die kleineren Parteien wie Grüne, NEOS oder Lis-te Pilz an die Hamlet-Tragödie erinnern dürfte – frei nach dem Motto „Sein oder Nichtsein“ im Hohen Haus. Denn hält Sebastian Kurz bis zum Wahlkampf-Finale den klaren Abstand von bis zu acht Prozentpunkten auf SPÖ und FPÖ – oder kann der Polit-Shootingstar sogar noch zulegen –, dann steigen auch die Chancen der Underdogs.

Spitzt sich das Duell allerdings zu und wird die Differenz zwischen ÖVP, SPÖ und FPÖ kleiner, könnten potenzielle Wechselwähler mit dem Kreuzerl am Stimmzettel doch wieder ihrer Stammpartei zum Sieg verhelfen wollen. Mit der Folge, dass der eine oder andere (scheinbare) Fixstarter im Parlament an der Vier-Prozent-Hürde für den Einzug in den Nationalrat scheitern könnte.