Symptom einer Krise. Über Hausapotheken, die kein Rezept gegen den Ärztemangel auf dem Land sein können.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 03. September 2019 (05:24)

Was tut man bei Kratzen im Hals, leichtem Fieber oder einer rinnenden Nase? Kaum jemand wird auf die Idee kommen, bei diesen Symptomen zum Arzt zu gehen. Der erste Weg führt stattdessen in die Apotheke, wo Apothekerin oder Apotheker das Linderung versprechende Medikament aushändigen. Bei etwa jedem dritten Krankheitsbild sind die Apotheken erste Anlaufstelle. Sie entlasten so die Arzt-Praxen, zeigt eine Studie der Apothekerkammer.

Umgekehrt geht es aber auch: Wer in einer kleinen Gemeinde lebt, in der es im Umkreis von sechs Kilometern keine Apotheke gibt, hat meistens einen kleinen Luxus – der Mediziner, der das Medikament verschreibt, verkauft es auch gleich. Für die Patienten ist das praktisch, für den Arzt ein nettes Körberlgeld. Für alle eigentlich angenehm – außer für die Apotheker.

Und so verwundert es nicht, dass der Konflikt Apotheke-Hausapotheke einer ist, der ganze Gemeinden in Turbulenzen stürzt. Jüngst beispielsweise in Altlengbach im Bezirk St. Pölten-Land. In dem 3.000-Einwohner-Ort eröffnete 2016 eine Apotheke. Der Allgemeinmediziner wollte seine Hausapotheke aber nicht hergeben, also landete die Causa beim Bundesverwaltungsgericht. Das ordnete die Schließung der Hausapotheke an.

Manche Ärzte und Ortschefs machen sich jetzt dafür stark, dass die Entfernungsgrenze fällt – und hoffen damit, Landgemeinden für Mediziner attraktiver zu machen. Der Vorschlag ist zwar nachvollziehbar, zugleich aber bezeichnend: Wenn eine Hausapotheke darüber entscheidet, ob sich eine Arzt-Praxis in einer ländlichen Gemeinde rechnet oder nicht, zeigt das, in welcher Krise sich die Gesundheitsversorgung auf dem Land befindet.