Verantwortung zu tragen schaut anders aus. Thomas Jorda über den Fall des Gilt-Listenführers Günther Lassi. Seine Homepage war mit einer Hetzschrift verlinkt. Grund zur Schadenfreude gibt es nicht.

Von Thomas Jorda. Erstellt am 05. September 2017 (03:01)

Eine alte Weisheit lehrt uns: Was Federn hat wie eine Ente, watschelt wie Ente, schnattert wie Ente – das wird wohl eine Ente sein.

Aber es gilt natürlich die Unschuldsvermutung. Wer auf seiner Homepage auf die „Protokolle der Weisen von Zion“ verweist, eine der widerlichsten und folgenschwersten antisemitischen Hetzschriften, die 1903 erstmals erschienen ist, der muss dem Nationalsozialismus nicht nahe stehen. Aber er sollte sehr, sehr gute Gründe haben, warum er das tut.

Der siebzigjährige Pensionist Günter Lassi, der im westlichen Waldviertel wohnt, ist der durch das Los bestimmte Spitzenkandidat der „Liste Roland Düringer – Meine Stimme Gilt“, die bei den Nationalratswahlen antreten wird. Umfragen zufolge hat Kabarettist Düringer mit seiner Mannschaft durchaus Chancen, im Parlament einzuziehen.

Das ist sein gutes Recht. Aber auch eine Pflicht. Sich auf einen Losentscheid zurückzuziehen, geht gar nicht. Wer immer mit einer Liste ins Rennen um Parlamentssitze zieht, trägt gegenüber den Menschen dieses Landes eine schwere Verantwortung – nämlich nur jene Menschen zu nominieren, die frei sind von jedem Verdacht, Sympathien für demokratie- und menschenfeindliche Ideologien zu haben. Vielleicht hat Lassi die gar nicht, aber dann ist er eindeutig nicht fähig, die Folgen seiner Taten zu bedenken. Auch das ist keine gute Voraussetzung für einen Kandidaten.

Pech gehabt, diese Begründung ist zu wenig. Wer eine Liste erstellt, trägt dafür die Verantwortung, wer Fehler macht, lädt Schuld auf sich. Diese „Culpa in eligendo“ (Schuld der Auswahl) ist nicht wegzureden, auch wenn es eine österreichische Krankheit ist, Verantwortung stets strikt von sich zu weisen.

Die Sache ist das Problem von Roland Düringer. Und es ist absolut inakzeptabel, wenn er sein Versäumnis jetzt – wir kennen das – den bösen Medien umhängt, die nicht bereit waren, Stillschweigen zu bewahren.

All das ist aber kein Grund für die Mitbewerber, Schadenfreude zu zeigen. Ob ihre Listen, alle ihre Kandidatinnen und Kandidaten frei von Fehl und Tadel sind, wird sich erst zeigen. Auch wenn keiner sich wünscht, dass neue Skandale aufbrechen. Österreich verdient es, dass sich nur solche Menschen um Sitze im Nationalrat bewerben, die geistig fit, charakterlich integer und willens sind, gut für diese Republik zu arbeiten.