Versäumnisse nachholen. Über jetzt nötige Schritte, um die Gefahr eines weiteren, dritten Lockdowns abzuwenden.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 18. November 2020 (04:56)

Das Worst-Case-Szenario ist eingetreten. Seit Dienstag ist Österreich im zweiten kompletten Lockdown, nachdem die Light-Version der Ausgangsbeschränkung der vergangenen zwei Wochen nicht das erwünschte Ergebnis gebracht hatte. Im Gegenteil. Ende der Vorwoche wurde mit fast 10.000 Neuinfektionen pro Tag ein neuer Höchstwert erreicht, der Österreich sogar einen traurigen Weltrekord beschert hat.

Diese Zahlen waren ausschlaggebend, dass auch die Schulen bis auf ein Not-Betreuungsangebot wieder geschlossen wurden. Trotz heftiger Widerstände innerhalb und außerhalb der Regierung. Neben der Opposition, angeführt von der SPÖ, hatte sich sogar ÖVP-Bildungsminister Heinz Faßmann für ein Offenhalten der Bildungseinrichtungen ausgesprochen. Doch die Frage wurde obsolet, nachdem die Situation aus dem Ruder gelaufen war.

Beispielhaft dafür ist das Contact-Tracing völlig kollabiert. 77 Prozent aller Infektionsfälle konnten nicht mehr nachverfolgt werden, obwohl die Mitarbeiter im Dauereinsatz waren. Wie ineffizient die Behörden aufgrund der Überlastung agierten, zeigt ein Beispiel aus Niederösterreich, wo Kindergartenkindern erst am neunten Tag der zehntägigen Quarantäne die Bescheide zur Ausgangsbeschränkung zugestellt wurden – und zwar von der Polizei.

Für die Kontaktnachverfolgung braucht es dringend mehr Personal. Ebenso muss die Politik das Vertrauen der Bürger wieder zurückgewinnen, indem sie mit einer klaren Sprache spricht. Und die Bevölkerung sollte sich weniger im Vernadern als vielmehr in der eigenen Disziplin üben. Denn nur wenn all diese Versäumnisse nachgeholt werden, sind wir gegen einen dritten Lockdown gewappnet.