Warum Politik und Beruf kein Widerspruch sind. Daniel Lohninger über die Nebenverdienste von Abgeordneten.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 19. Juni 2018 (02:10)

Wir Wähler sind manchmal nicht ganz fair zu unseren Politikern. Wir verlangen Top-Leistungen und Top-Entscheidungen, wollen dafür aber keine Top-Gagen zahlen. Wir wollen Politiker, die voll im Berufsleben stehen, mokieren uns aber, wenn sie neben ihrem Politikerbezug noch was verdienen. Zugleich stört es uns nicht, wenn Fußball-Stars oder Hollywood-Schauspieler in einer Stunde mehr verdienen als wir in einem ganzen Jahr. Bei Politikern ist aber jeder Euro zu viel, schließlich sind wir es, die sie zahlen.

Dennoch bekommt ein Abgeordneter im Landtag nicht wenig Geld. 7.000 Euro sind es pro Monat – brutto wohlgemerkt. Netto bleiben damit nach Abzug der Partei-Gelder vielleicht 3.000 Euro. Viele Menschen können von einem Einkommen wie diesem nur träumen. Auch sie arbeiten Tag für Tag hart – und haben keine Zeit mehr dafür, sich nebenbei etwas dazuzuverdienen. 51 der 56 Abgeordneten hingegen schaffen das, manchmal ist die Politik sogar nur der Nebenjob.

Die Frage ist: Wollen wir Wähler, dass Abgeordnete mehr sind als Politiker? Oder wollen wir, dass sie ihren Zivilberuf aufgeben, ihr Unternehmen verkaufen oder ihre Landwirtschaft zusperren, sobald sie ein Mandat annehmen? Natürlich lauert hier die Populismus-Falle recht heimtückisch. Denn selbstverständlich wissen wir, dass das Politikerbrot kein leichtverdientes ist. Dass Abgeordnete an 365 Tagen im Jahr dann bei Veranstaltungen sind, wenn die meisten anderen schon bei ihren Familien sind. Und dass ein Job im mittleren Management bei Privatunternehmen auch nicht schlechter bezahlt ist – man sich hier aber nicht mit Hasspostings, öffentlicher Kritik oder unangenehmen Journalistenfragen herumschlagen muss.

Tatsächlich riskiert jeder viel, wenn er in die Politik geht. Und geht eine Wahl schief, ist das Mandat fort – eine Rückkehr in den Job eine Illusion, Arbeitslosengeld gibt es keines. Mitleid mit Politikern muss man deshalb nicht haben. Üblicherweise wissen sie sich mit ihren Netzwerken selbst gut zu helfen. Es ist aber gut und im Sinne von uns Wählern, dass Abgeordnete mehr haben als die Politik. Denn es erhöht zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass sie mit beiden Beinen im Leben stehen und die Sorgen und Ängste von uns Bürgern nachvollziehen können.