Wettlauf bleibt unfair. Über die Corona-Impfung, zu der sich über 80-Jährige auch in Zukunft online anmelden müssen.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 17. Februar 2021 (05:41)

Es ist noch nicht lange her, da kannte jeder jemanden, der sich „ganz sicher“ nicht impfen lassen wird. Mittlerweile kennt jeder jemanden, der bereits geimpft ist. Manche davon sind Vordrängler, die noch nicht am Zug gewesen wären – die NÖN berichtet laufend. Die meisten gehören aber einer Risikogruppe an oder sind im Gesundheitswesen tätig. Oder sie sind über 80 Jahre alt. Viele von ihnen haben sich ihre Impfung mühsam gesichert, in einem unwürdigen IT-Wettkampf, in dem die Kinder und Enkerl von 100.000 Senioren um die verfügbaren 10.000 Impfdosen ritterten.

Der Aufschrei war groß, wie der Blick in das NÖN-Redaktionspostfach zeigte. Noch nie wurde es in so kurzer Zeit von so vielen empörten Leserbriefen geflutet wie am vergangenen Mittwoch. Die Lehre daraus: zumindest vorerst keine. Die lapidare Erklärung von Notruf NÖ: Wenn es weniger Angebot als Nachfrage gibt, ist das Gedränge zwangsläufige Folge. Und so werden auch diese Woche die nunmehr 30.000 Impfdosen an jene vergeben, die am schnellsten aufs Knopferl drücken. Allerdings: Wer über 80 Jahre alt ist, nicht fit am Computer oder keine Kinder und Enkerl hat, kann diesmal auf Freiwillige zählen, die beim Anmelden helfen, versichert Notruf NÖ.

Unabhängig vom Verlauf der Anmeldungen diese Woche sollen Ende März alle willigen Über-80-Jährigen geimpft sein. Die wahre Bewährungsprobe folgt dann in den Wochen danach: Auch wenn sich nur jeder Zweite impfen lassen will, müssen sich 600.000 Menschen anmelden. Der Wettbewerb ist dann allerdings fairer: Im Unterschied zu den über 80-Jährigen kann man von den unter 65-Jährigen verlangen, dass sie sich online anmelden.