Zentralmatura: Mit einer Reform wird gerechnet. Walter Fahrnberger über die neu aufflammende Debatte der Zentralmatura nach dem Desaster bei den schriftlichen Mathe-Arbeiten.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 05. Juni 2018 (02:22)

Wenn dieser Tage mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler in Niederösterreich noch einmal richtig schwitzen, muss das nicht zwangsläufig mit den vorsommerlichen Temperatuten zu tun haben. Am Dienstag und Mittwoch stehen die Kompensationsprüfungen der Maturanten in Mathematik an. Und das sind heuer viel mehr als in den letzten Jahren.

Knapp 20 Prozent fielen laut bundesweitem Ergebnis bei der schriftlichen Zentralmatura in Mathe durch. NÖ-Zahlen gibt es keine. Das Bildungsministerium hat den Direktoren sicherheitshalber verboten, den Medien Auskunft zu geben. Besser werden die Ergebnisse mit der Nachrichtensperre aber nicht.

Doch heuer sollte die Chance, über den Umweg der Kompensationsprüfung durchzukommen, sogar höher als im Vorjahr (zwei Drittel) sein. Denn Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) forderte die Lehrer auf, in der Vorbereitung auf die Kompensationsprüfung Beispiele, wie sie zur Prüfung kommen sollen, gezielt zu üben. Ob da das schlechte Gewissen plagt?

Sauer sind aber auch etliche Musterschüler, wie Professoren melden. Denn unzählige Mathe-Freaks haben sich mit einer ungewohnt schlechten Note ihr Maturazeugnis versaut. Neben mangelnder Vergleichbarkeit und fragwürdigem Beurteilungsschema (bei einem Rechenfehler wurde ein Beispiel trotz richtigem Lösungsansatz mit null Punkten bewertet) war heuer vor allem die textlastige Angabe Stolperstein für die Maturanten. Aber nicht nur für sie. Im Stiftsgymnasium Melk haben auch Mathematik-Professoren zugegeben, dass sie die Angaben nicht sofort verstanden haben. Sie fordern jetzt mit einer Online-Petition (www.openpetition.eu/!reformzentralmatura) eine Reform der Mathe-Matura. 3.500 Personen haben sich daran bereits beteiligt.

Einstweilen stellt auch die Politik die 2015 eingeführte Zentralmatura wieder infrage. NÖ Bildungsdirektor Johann Heuras fordert eine Evaluierung der Mathe-Matura. ÖVP-Bildungssprecher Rudolf Taschner und sein Pendant Wendelin Mölzer von der FPÖ denken dabei an eine teilzentrale Matura. So will man vor allem den unterschiedlichen Schultypen gerecht werden. Schließlich ist es nicht logisch, dass Schüler trotz unterschiedlicher Wochenstundenzahl in Mathematik die gleichen Fragen beantworten müssen. Auf diese Arithmetik hätten die Experten aber gut und gern auch schon vor Jahren draufkommen können.