Zu wenige Mediziner. Daniel Lohninger über den Hausarzt-Mangel und dessen Ursachen.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 12. Februar 2019 (03:00)

Der Hausarzt – das war jemand, der rund um die Uhr für seine Patienten da war. Gerade auf dem Land. Egal, ob das Kind in der Nacht fieberte oder die Großmutter gestürzt war – der Hausarzt kam, wenn er im Dienst war, und er kam, wenn nicht. Der praktische Arzt hatte damals aber auch eine Sonderstellung in der Gesellschaft in seinem Ort.

In unserer auch in Dörfern und Kleinstädten anonymer werdenden Gesellschaft haben sie diese Sonderstellung nicht mehr. Unsere Hausärzte leben wie wir gewöhnlichen Menschen – sie haben Dienstzeiten (Ordinationszeiten), sie haben Notdienste und auch ein Leben neben der Arbeit. Wenn heute das Kind in der Nacht fiebert oder die Großmutter stürzt, rufen die meisten nicht den Ärzte-Notdienst, sondern suchen die Ambulanz im nächsten Krankenhaus auf – was dort zu langen Wartezeiten führt und ungleich höhere Kosten verursacht. Dazu kommt, dass der Beruf des praktischen Arztes weniger prestigeträchtig und schlechter bezahlt ist als etwa der des Facharztes und Wahlarzt-Praxen begehrter sind denn je.

Daher überrascht es kaum, dass es zunehmend schwieriger wird, Bewerber für freie Allgemeinmediziner-Plätze zu finden. 35 sind es in Niederösterreich derzeit. Krasses Beispiel ist die Stelle in Gresten (Bezirk Scheibbs), die bereits 40 Mal erfolglos ausgeschrieben wurde. Die Politik versucht, dem drohenden Versorgungsengpass entgegenzusteuern – mit der Landarzt-Initiative und Primärversorgungszentren beispielsweise. Mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein ist das aber nicht, solange sich am Grundproblem nichts ändert: Dass nämlich angesichts bevorstehender Pensionierungswellen die Zahl der ausgebildeten Mediziner, die in Österreich bleiben, zu gering ist.