Macht der Schiris. über die Rolle der Schiedsrichter im Handball.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 14. Januar 2020 (01:18)

Österreich ist dank der Heim-Europameisterschaft – und des erfolgreichen Auftakts unseres Nationalteams – im Handballfieber. Das bringt einer Randsportart zumindest für wenige Tage jenes Licht, das sie verdient. Leidenschaft, Dynamik, Härte – die Handballer brauchen den Vergleich mit den weit mehr im Fokus befindlichen Kickern nicht zu scheuen. In einem Punkt taugen sie jedenfalls als Vorbilder: Der Umgang mit den Schiedsrichtern ist (zumeist) weit friktionsfreier als bei den Fußballern.

Das ist umso bemerkenswerter, als die Rolle der Unparteiischen im Handball keine unheikle ist. Siebenmeter oder normales Foul? Defensivfoul oder Offensivfoul? Zeitstrafe oder nicht? Die Grenzen sind oft fließend, und ganz viel liegt im Ermessen der Schiedsrichter. Gunnar Prokop – vom europäischen Handballverband aufgrund seiner acht Champions League-Titel mit Hypo Niederösterreich zum „Coach of the Century“ ernannt – drückte es einst so aus: „Wenn sie wollen, können die Schiedsrichter für zehn Tore Unterschied sorgen, ohne dass es einen Skandal gibt!“

Beruhigend oder fair hört sich das nicht gerade an. Sind Handballer also frustresistenter als ihre kickenden Kollegen? Ja und nein. Wissen muss man nämlich auch, dass es im Handball höchst selten vorkommt, dass die bessere Mannschaft verliert. Das liegt daran, dass weit mehr Tore fallen, die Zufall oder Ungerechtigkeiten kaschieren. Wobei – gegen Gunnar Prokops Zehn-Tore-Schiris würde ganz sicher auch der coolste Handballer einen roten Kopf bekommen.