Mir san auch mir. Über den Flirt des SKN St. Pölten mit dem großen FC Bayern München.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 03. Februar 2021 (05:34)

„Internationalisierung“ war in den vergangenen Jahren eine Art Reizwort im Umfeld des SKN St. Pölten. Das hat den Ursprung darin, dass die Wölfe durch einige Personalentscheidungen mehr und mehr Lokalkolorit verloren. Erste eher klägliche Anbahnungen mit portugiesischen und spanischen Hinterbänklern bezüglich Kooperationen waren Wasser auf der Kritiker Mühlen.

Ad acta wurde das Thema im SKN-Führungszirkel dennoch nicht gelegt. Als mit Werder Bremen verhandelt wurde und die Vereinsikonen Frank Baumann und Thomas Schaaf die NV Arena besuchten, war das eine Imagekorrektur. Der Werder-Deal klappte aufgrund der unsäglichen Transfersperre zwar nicht, die Idee der Internationalisierung war damit aber salonfähig.

Eine SKN-Entourage rund um Manager Andreas Blumauer und Berater Frank Schreier sprach später auch noch bei Juventus und in Wolfsburg vor. Aktuell ist gar Champions League-Sieger Bayern in der Verlosung. Bumm.

Dass die Bayern gleich vier Nachwuchsspieler zur Probe nach St. Pölten schicken, ist nicht alltäglich. Eine Kooperation macht für beide Seiten durchaus Sinn. Hauptargument für den SKN: Billig an Talente kommen, an die man sonst nicht kommen würde. Hauptargument für die Bayern: Talente entwickeln sich nicht bei den Amateuren in der 3. Liga, sondern in der Tipico Bundesliga weiter. Und die wird aktuell in Europa ziemlich hochgelobt. Die Zeit der Operetten-Liga-Punzierung ist vorbei.