Der Amateurfußball und sein Teufelskreis. Bernhard Schiesser über den inneren Konflikt vieler Fußballvereine und seiner Funktionäre.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 08. Januar 2019 (01:45)

Österreichs Fußball ist besser als sein Ruf. Das gilt für die Bundesliga und das gilt auch für den Amateurkick. Vor allem in den Vorhöfen zum Profifußball steigt das sportliche Niveau stetig an. In den Landes- und Gebietsligen Niederösterreichs wird großteils ziemlich professionell gearbeitet.

Und dort kicken immer bessere Fußballer. Das ist wiederum der flächendeckenden Ausbildung in den Akademien geschuldet. Gut zwei Dutzend Fußballer spülen die beiden niederösterreichischen Talenteschmieden aus St. Pölten und der Südstadt pro Jahrgang auf den Markt. Sehr optimistisch geschätzt kommt vielleicht eine Handvoll davon im Profibereich unter, der Rest landet – gezwungenermaßen – in den Amateurligen.

Dort zahlen die Klubs gutes Geld für verhinderte Profis wiewohl auch für andere Fußballsöldner. Die Vereinsfunktionäre laufen sich die Füße wund, um Budgets im sechsstelligen Bereich aufzustellen. Wer nicht mit kann oder will, der fällt aus dem sich immer schneller drehenden Karussell.

Glücklich sind die meisten Vereinsvertreter damit nicht. Viel lieber würden sie die Zahl der Fußballsöldner reduzieren und mit lokal verwurzelten, im Verein ausgebildeten Kickern die Herzen im Ort erquicken. Die Fußballromantiker feiern fröhliche Urständ.

Die Realität sieht anders aus. Ob dieser Teufelskreis zu durchbrechen ist? Ja, allerdings nur mit viel Aufwand. Der Schlüssel ist – eh klar – die Nachwuchsarbeit.

Mit der vielerorts gängigen Praxis (ein bis zwei Trainings pro Woche; mäßig qualifizierte Trainer etc.) schafft man es, den gesellschaftspolitischen Auftrag zu erfüllen, den Sportvereine haben, nämlich Kindern ein sportliches Betätigungsfeld zu bieten. Das ist gut und wichtig, landesligataugliche Kicker zu formen, geht sich damit in der Regel aber nicht aus.

Im Nachwuchs müsste also die Qualitätsschraube deutlich angezogen werden. Viele Vereinsfunktionäre wissen das. Mehr Trainings, besser ausgebildete Trainer und durchgängige Nachwuchskonzepte bedingen aber ein Mehr an Geld und vor allem an „Manpower“. Jede einzelne Nachwuchsmannschaft müsste mit ähnlichem Aufwand betrieben werden wie die „Erste“. Die Früchte gäb’s zudem erst in Jahren zu ernten.

Da ist’s im Karussell weit gemütlicher. Irgendwie verständlich. Irgendwie traurig.