Der Typ, der „Bambi“ Daxbacher erschoss. Bernhard Schiesser über die undankbare Rolle des Frenkie Schinkels bei der Ablöse von SKN-Trainer Karl Daxbacher.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 01. November 2016 (00:10)

Vor zehn Jahren verließ Andre Agassi die große Tennisbühne. Bei den US Open 2006 verlor er in der dritten Runde gegen den Deutschen Benjamin Becker. In der vierten hätte Landsmann Andi Roddick auf den Liebling einer ganzen Tennisgeneration gewartet. Roddick blies tief durch: „Ich wollte nicht derjenige sein, der Bambi erschießt.“

Was Agassi für Millionen Tennisfans war, ist Karl Daxbacher für ein paar Hundert St. Pöltner Fußballfans. Und das vollkommen zu Recht. Der Trainerroutinier schaffte mit dem SKN nicht nur den ersehnten Aufstieg in die höchste Liga, er gab dem lange um Anerkennung ringenden Klub durch seine Art endlich etwas Griffiges, etwas Sympathisches.

Weil die St. Pöltner zehn Spiele in Serie nicht gewinnen konnten, weil er Führungsspieler wie Dober oder Thürauer abmontierte und auch, weil er kaum noch Optimismus ausstrahlte, wurde er beurlaubt. Beliebt oder nicht – so sind die Mechanismen im Fußball. Die Entscheidung ist gut begründet und nachvollziehbar. Getroffen hat sie Sportmanager Frenkie Schinkels nicht alleine, aber federführend. Das erfordert Mut, denn er wusste schon vorher, dass er in den Augen der Fans derjenige sein würde, der „Bambi erschießt“.