Ein Hype und seine falsche Begleitmusik. Bernhard Schiesser über Frauenfußball und das, was ihn nicht weiterbringt.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 01. August 2017 (03:00)

Selten lagen Freude und Ärger so nah beisammen wie beim Thema Frauenfußball. Ja, es ist wunderbar, dass endlich auch die kickenden Frauen etwas vom Flutlicht abbekommen. Nein, es ist kaum zu ertragen, wie dämlich über den Frauenfußball diskutiert wird.

Äußerst angesagt ist es, den sportlichen Querpass zum Männerfußball zu spielen. Beliebte Gretchenfrage: Hätte die Frauennationalmannschaft gegen eine x-beliebige 2. Klasse-Herrenmannschaft eine Chance? Ja, ja – da wird in diversen Herrenrunden tatsächlich ausschweifend darüber gestritten.

Ebenso entbehrlich ist der mediale Aufschrei darüber, dass unsere neuen Nationalheldinnen kaum Geld mit dem Fußball verdienten, ihre männlichen Kollegen aber oftmals Millionäre seien. Woher soll das Geld denn bitte kommen? TV-Verträge – wie viele Frauenfußballspiele werden live im Fernsehen übertragen? Ticketverkäufe – schon mal den Frauen im Stadion auf die Beine gesehen? Trikotverkäufe – schon mal ein Kind mit dem Leiberl von Nina Burger erspäht?

Der Frauenfußball steckt in den Kinderschuhen. Die EM kann helfen, das Interesse daran zu heben und damit die Basis zu stärken. Alle anderen Diskussionen tun einfach nur weh.