Reserveteams sind Überlebensgarantie. Bernhard Schiesser über das Vereinssterben im Amateurfußball.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 05. Februar 2019 (01:43)

Der NÖ Fußballverband plant, künftig keine Ausnahmen mehr bei Eigenbau-Regel und beim Stellen von Reservemannschaften zuzulassen. Wer nicht alle Regeln einhält, soll in die 3. Klasse. Eine solche gibt es derzeit nur im Weinviertel und wird oft als „Schutzgruppe“ belächelt, weil man von dort weder auf- noch absteigen kann. Die NÖN berichtete darüber und das löste hitzige Diskussionen im Netz aus.

Manche fordern da, den Reservebetrieb überhaupt sein zu lassen und nur noch mit Kampfmannschaften zu spielen. Das kann man freilich so machen. Schlau wäre das allerdings nicht. Das Vereinssterben würde damit zusätzlich befeuert werden. Die Reservemannschaften sind – wie der Name vermuten lässt – die „Pufferzone“ jedes Vereins.

Wird ein Reservematch wegen Spielermangels abgesagt, dann ist das bitter, vor allem für die zur Untätigkeit gezwungene gegnerische Mannschaft. Würden sich die Vereine aber nicht Woche für Woche bemühen (müssen), zwei Teams auf den Rasen zu bringen, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis sich der Spielermangel in den Kampfmannschaften manifestiert. Die Argumente der „Hardliner“ rund um NÖFV-Vizepräsident Robert Ruzak sind also durchaus schlüssig. Jene der Ausnahmen-Befürworter aber auch.

Die Alternative, schwächelnde Vereine in die 3. Klasse zu verbannen, macht wenig Sinn. Realistischerweise bekommt man pro Viertel eine 3. Klasse zusammen. Die Klubs dort dürften dann zum Beispiel quer durchs Waldviertel reisen, um Fußball zu spielen. Umso weiter unten, umso regionaler – ein Grundsatz des Amateurfußballs – wäre damit konterkariert. Viele Klubs würden eher zusperren, als sich das anzutun – verständlich.

Wie findet man sie aber, die Lösung dieses Dilemmas? Sicher nicht im Schwarz-weiß-Denken und schon gar nicht im Hantieren mit dem Vorschlaghammer. Der Amateurfußball ist im Wandel begriffen. Dass nicht mehr so viele oder nicht mehr nur ausschließlich alle, die Sport betreiben wollen, dem Fußball zulaufen, ist ein Faktum. Mit einem besseren Angebot in Sachen Nachwuchsfußball lässt sich vielleicht einiges abfedern. Dort, wo das nicht möglich ist, gilt es, regionale Allianzen zu schmieden. Besser eine Spielgemeinschaft mit dem Nachbarort als ganz zusperren.