Platzhirsch in Not. Über den falschen Weg im Amateurfußball.

Von Bernhard Schiesser. Erstellt am 13. August 2019 (04:35)

Von wegen Ski-Nation – Österreich ist eine Fußball-Nation. Der Kick bewegt von allen Sportarten am meisten Menschen. Zig-Tausende davon jedes Wochenende alleine in Niederösterreich.

Das heißt aber nicht, dass der Fußball sein Platzhirsch-Dasein auf ewig und zum Nulltarif gepachtet hat. Die Freizeitgestaltung und also auch die Auswahl der sportlichen Aktivität der Niederösterreicher ist im Wandel. Die Sportlandschaft wird vielschichtiger und offener für Trends. Sie bleibt nicht mehr nur der Jugend vorbehalten. Das ist begrüßenswert, hat aber zur Folge, dass sie individueller wird. Diesbezüglich hat Fußball als Mannschaftssportart einen natürlichen Nachteil.

Die Gestalter jeder Sportart sind Menschen in Verbänden und Vereinen. Die werden – dem Wortstamm nach übrigens ziemlich passend – „Funktionäre“ geheißen. Was ist also deren Funktion? Begreift man den Fußball als Breitensport, dann ist die ureigenste Aufgabe dieser Funktionäre, vielen (jungen) Menschen zu ermöglichen zu kicken.

Nur ist der Fußball schon vor Jahren – und zwar bis in die Niederungen der sogenannten Amateurspielklassen – in Richtung Spitzensport abgebogen. Warum das so kam, darüber ließen sich Bücher füllen. Fakt ist, dass im Fußball zu viel Geld dafür verwendet wird, steuerlich und rechtlich im Graubereich angesiedelte „Hybrid-Amateur-Profi-Klubs“ zu finanzieren. Was den grundsätzlichen gesellschaftspolitischen Auftrag betrifft, hat der Fußball damit versagt. Ein Umdenken und ein Umlenken wären angebracht.