Der Kontrapunkt. Thomas Hofer, Politik-Berater, über ein mutiges politisches Statement.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 12. März 2019 (01:23)

Die Fronten sind klar: Erste Politikerpflicht ist es, das christliche Abendland zu verteidigen. Damit kann man angesichts der aktuellen Stimmungslage nur punkten. Moslems stehen unter Generalverdacht. Das ist nicht nur die Schuld von Politikern, die den Islam als Bedrohung für die liberale Demokratie sehen. Schuld sind auch muslimische Vertreter, die sich kaum klar zu ihren gewalttätigen und demokratiefeindlichen Glaubensbrüdern äußern.

Die Debatte wird von Abschiebungen und der Diskussion um die Sicherungshaft dominiert. Gemeint sind vorwiegend Moslems. Politiker, fast egal welcher Couleur, tun deshalb den Teufel und konterkarieren die öffentliche Wahrnehmung. Ein Ex-Politiker hat das doch gewagt: Andreas Khol, ehedem Nationalratspräsident und Klubobmann in der Ära Schwarz-Blau I, sagte der „Presse“, er könne sich 2030 einen „Muslim als Kanzlerkandidaten der ÖVP“ vorstellen.

Das ist mutig. Und es ist nicht nur von Khols Wandlung her bemerkenswert – Ende der 80er war er noch Vertreter der konservativen Kirchenwende – es ist auch ein seltener Kontrapunkt in einer emotionalen Politikphase. Khols Szenario ist vielleicht wenig realistisch. Doch wer angesichts seines Gedankenspiels Schnappatmung bekommt, sollte sich die Grundfesten unserer liberalen Demokratie vergegenwärtigen. Da spielen Herkunft, Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung oder Glaubensbekenntnis keine Rolle. Was zählt, ist der Mensch, seine Überzeugungen und Taten. In der aktuellen Schwarz-weiß-Debatte geht der zentrale Punkt gerade verloren.