Einstürzende Neubauten. Über das innenpolitische Erdbeben.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 21. Mai 2019 (02:23)

Seit Freitag ist in der Innenpolitik nichts mehr, wie es war. Die lange nach außen so harmonisch agierende türkis-blaue Regierung ist Geschichte. Man ist nahtlos zu einem heftigen Rosenkrieg übergegangen, der sich in den kommenden Tagen und Wochen wohl noch zu einem emotionsgeladenen Showdown zuspitzen wird.

Zum Einsturz wurde das türkis-blaue Regierungsgebäude durch eine ganze Reihe an dummdreisten Aussagen gebracht, die der spätere Vizekanzler Heinz-Christian Strache bei einem intimen Treffen mit einer mutmaßlichen Oligarchennichte getätigt hatte. Sein Pech: Es handelte sich um eine Falle und seine Ausfälle wurden geheim mitgefilmt. Bedeutet das nun das Ende aller Wahlchancen der FPÖ?

Natürlich werden die Freiheitlichen Stimmen einbüßen. Ob es aber zu einem Absturz wie nach Knittelfeld im Jahr 2002 kommt, als die FPÖ von 27 auf 10 Prozent abstürzte, ist zu bezweifeln. Die Freiheitlichen treten diesmal deutlich geschlossener auf als in der chaotischen Phase nach der Parteirevolte von Knittelfeld.

Und die Blauen suchen wie zu ihren erfolgreichsten Oppositionszeiten die Brachial-Offensive. Überall – von den Urhebern des Strache-Videos bis zur Abberufung von Innenminister Kickl – wird wieder eine groß angelegte Verschwörung gewittert. Man begibt sich in die lange eingeübte Opferrolle und versucht so, viele Wähler zu halten. Wahltechnisch kann das aufgehen. Eines ist auf Sicht aber kaum wieder herstellbar: den Anschein zu erwecken, auch nur ansatzweise regierungsfähig zu sein.