Falsche Empörung. über die Jagd nach der billigen Bloßstellung.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 21. Januar 2020 (02:01)

Als Politiker und Politikerin lebt man ausgesetzt. Die einen wollen ein Selfie, und wenn man nicht als abgehoben gelten will, erfüllt man solche Wünsche. Andere lassen den eigenen Frust an einem aus, wie gerade Justizministerin Alma Zadić erfahren muss. Da gibt es kein Halten, Anfeindungen gehen bis hin zu Morddrohungen. Wieder andere wollen wichtig sein und verbreiten exklusiv angebliche „Aufdeckerfotos“, wie zuletzt vom grünen Vizekanzler Werner Kogler in einem Fast-Food-Restaurant.

Einen Skandal haben darin zwar nur die Allerwenigsten entdeckt. Eher schon bringt Kogler die gespielte Aufregung etwas. Denn immerhin kann er sich als hemdsärmeliger Gegenpol zum Klischee des Grünen als Birkenstock tragender, militanter Veganer positionieren.

Die rasenden Leserreporter allerdings fühlen sich angestachelt. Sie werden verstärkt Jagd auf vermeintlich Entlarvendes machen. Nun sind Generationen an politischen Führungspersönlichkeiten an dieser Entwicklung nicht unschuldig, denn sie lieben billige Inszenierungen. Vom IKEA-Tisch im Kanzleramt über Economy-Transatlantik-Flüge bis zur radelnden Neo-Ministerin gab es schon viel zu bestaunen. Da darf man sich nicht wundern, wenn der Besuch im Luxus-Restaurant, der Sitz in der Business-Class oder überhaupt die berufliche Anreise per Flugzeug zum Skandal werden.

Wir alle sollten uns fragen, was wir zu dieser Empörungsunkultur beitragen. Nicht hinschauen bei vermeintlichen Skandalstorys wäre schon einmal ein guter Anfang.