Fatales Signal. Über einen möglichen schweren Fehler der EU beim Brexit.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 16. April 2019 (00:07)

Eines vorweg: Die EU-27, also die Union ohne Großbritannien, hat sich in der leidigen Causa Brexit bislang deutlich besser geschlagen als gedacht. Ursprünglich konnte man befürchten, dass sich ein einiges Vereinigtes Königreich in den schwierigen Verhandlungen effizienter aufstellen könnte als ein von unterschiedlichen Interessen geprägter Haufen der restlichen 27 Staaten.

Es kam anders. Das Chaos war in London zu Hause. Bis jetzt. Mit der Entscheidung, den Briten eine Nachfrist bis 31. Oktober zu gewähren, begibt sich nun auch der bisher so solide Verbund der 27 aufs Glatteis. Fatal ist schon das Signal, das man an Großbritannien sendet: Man ist erpressbar, man fürchtet sich (und nicht zu Unrecht) vor den Folgen eines harten Brexit – und bettelt um Einsicht bei den desorientierten Briten. Diese Einsicht ist nicht absehbar. Auf der Insel agieren die vereinigten Schlafwandler, jeder sieht nur den persönlichen politischen Vorteil und hofft, nach einem Big Bang relativ am besten dazustehen.

Wenn es ungünstig läuft, haben die Briten, die nun – und das ist der Gipfel der Absurdität – an den EU-Wahlen teilnehmen müssen, ein Faustpfand in der Hand. Denn: Sollte es die EU nicht schaffen, ihren Einfluss auf die Entscheidungen der EU auf Null zu reduzieren, kann Großbritannien seine zerstörerische Energie auf den Kontinent ausdehnen. Oder glaubt jemand, sie würden eine Phase, in der es gilt, die Kommission neu aufzustellen, nicht für sich nutzen wollen? Sich so auszuliefern ist jedenfalls ein Hochrisikospiel mit unbekanntem Ausgang.