Gelungene Pflichtübung. Thomas Hofer, Politik-Berater, über die Kür Pamela Rendi-Wagners zur SPÖ-Chefin.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 27. November 2018 (01:50)

An sich wäre der Umstand, dass eine neue Parteichefin von ihren eigenen Delegierten mit knapp 98 Prozent der Stimmen bestätigt wird, keinen Kommentar wert. Das gehört in Österreich zur Folklore. Und es bedeutet für die mittelbare Zukunft eines Chefs auch gar nichts: Man schlage bei Werner Faymann oder Reinhold Mitterlehner nach – Letzterem wurde von seiner Partei sogar die Ehre verweigert, bei einer Wahl antreten zu dürfen.

Doch angesichts der offen zutage getretenen Zerrüttung in der SPÖ geht Pamela Rendi-Wagners Avancement zur ersten SPÖ-Chefin zumindest als gelungene Pflichtübung durch. Immerhin haben die Genossinnen und Genossen den Mega-GAU vermieden und damit begonnen, die über Monate hin zelebrierte Nabelschau zu beenden und sich wieder ein wenig mit den politischen Kontrahenten in der Bundesregierung zu beschäftigen.

Die internen Gräben sind lange nicht zugeschüttet, das beweisen die mauen Stellvertreter-Ergebnisse der dem „rechten“ Parteiflügel zugeordneten Michael Ludwig (Wien) und Hans Peter Doskozil (Burgenland). Die SPÖ muss dennoch versuchen, in die Offensive zu kommen. Die Kür der Chefin ist lange keine Kür am Wählermarkt. Um eine Herausforderung für den Kanzler sein zu können, muss die SPÖ ihre Kampagnenfähigkeit herstellen. Sie muss erst Druckthemen finden, um der Regierung wehzutun. Und sie muss die Marke Rendi-Wagner einem breiteren Publikum zugänglich machen. Eine Zukunftserzählung nämlich hat die Sozialdemokratie (noch) nicht.