Inszenierungsfalle. Darüber, wie sich die Politik selbst ein Bein stellt.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 11. Februar 2020 (00:50)

Wer damit begonnen hat, ist nicht letztgültig zu klären. Seit Jahren existiert in der Innenpolitik jedenfalls ein Trend: Politikerinnen und Politiker arbeiten beständig daran, sich ihre Arbeit noch ein Stück schwerer zu machen, als sie ohnehin ist.

Kanzler Werner Faymann war ein Spezialist in der Kategorie der – und das ist wörtlich zu verstehen – billigen Inszenierung. Am befreundeten Boulevard kam es toll an, wenn er die Einrichtung des Kanzleramtes bei Ikea bestellte. Sein Nach-Nachfolger Sebastian Kurz lässt sich leider auch gern lumpen. Da muss es in der Inszenierung der Economy-Flug sein – ob der Regierungschef bei bilateralen Gesprächen ausgeruht ist, spielt keine Rolle.

Die Grünen als frisch gebackene Regierungspartei setzten zuletzt ebenfalls auf diese gefährliche Art der Botschaftsübermittlung. Schon klar, es schaut sinnvoll aus, wenn Klimaministerin Leonore Gewessler zur Arbeit radelt, EU-Abgeordnete fast aller Couleurs medienwirksam den Nachtzug nach Brüssel besteigen oder die Regierung mit dem Bus zur Klausur tingelt.

Ein kleiner Tipp: Man soll diese Dinge im Alltag gern tun, aber von der medial überhöhten Inszenierung lassen. Denn irgendwann holt einen diese ein. Und dann ist es eine große Story, wenn Politiker beim Fliegen und der Kanzler im Privatjet oder der Business Class erwischt werden. Auch die Klimaministerin wird noch draufkommen, dass sich ihre zahlreichen EU-Ministerräte weder mit dem Rad und auch nicht dem 14-Stunden in Anspruch nehmenden Night-„Jet“ bestreiten lassen.