Kalkulierte Niederlage. Über ein durchsichtiges Marketing-Manöver der FPÖ.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 13. August 2019 (05:14)

Die Aufregung war erwartbar: Historiker fielen reihenweise über den sogenannten „Historikerbericht“ der FPÖ her – aus guten Gründen. Die Blauen hatten nach der Liederbuchaffäre aus dem NÖ-Wahlkampf eine Abrechnung mit parteiinternen Umtrieben versprochen. Herausgekommen ist die Rechtfertigung der blauen Politik der vergangenen Jahre. Das allzu Offensichtliche bestreitet man in der Zusammenfassung des Berichts zwar nicht. Ein Schuldeingeständnis sucht man aber vergeblich.

Warum hat die Ex-Regierungspartei FPÖ überhaupt solche Anstrengungen unternommen, sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen? Die Antwort ist einfach: Man wollte das nicht, sondern war wegen der damaligen Koalitionsharmonie dazu gezwungen. Nun versteckte sich die FPÖ vor den Fragen zum Bericht. Zig Verschiebungen gab es, bevor man mit einer dünnen und stark aus Parteisicht geschriebenen Zusammenfassung herausrückte. Redlich oder gar wissenschaftlich war das nicht. Norbert Hofer will im TV-Wahlkampf aber sagen können, dass man sich auf über 1.000 Seiten mit der eigenen Geschichte beschäftigt hat.

Für eine Normalisierung der Partei ist das zu wenig. Das war aber wohl auch gar nicht die Absicht der Freiheitlichen. Man legte einen mehr als kritikwürdigen „Bericht“ vor, um die parteiinternen Zielgruppen, inklusive der Burschenschaften, nur ja nicht zu vergrämen und trotzdem etwas vorweisen zu können. Medial geriet das zur Niederlage, aber die eigenen Fans wird das im Wahlkampf nicht weiter stören.