Nur keine Wellen. Über das leider grassierende Harmoniebedürfnis.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 04. Juni 2019 (01:52)

Die Republik sehnt sich nach ruhigeren Tagen. Der Bundespräsident stillt dieses Bedürfnis. Er ernennt eine „Expertenregierung“ und legt ihr schon vor Amtsantritt die Latte niedrig. „Nachhaltige Gesetzesinitiativen“ will er nicht. Bloß verwalten. Was dominierte, war der kalkulierte Stolz auf die erste Kanzlerin. Über Fragen, die das Skandalvideo der Herren Strache und Gudenus aufgeworfen hat, wollte auch in der Hofburg keiner diskutieren.

Selbst auf die Gefahr hin, den Partycrasher zu spielen – einige populäre Mythen müssen dekonstruiert werden. Nummer 1: Die erste echte Kanzlerin wird ehedem (die SP-Kandidatin schaut aktuell nicht wie eine seriöse Anwärterin aus) durch Wahlen zu legitimieren sein. Nummer 2: Der Präsident hält den Ball zwar flach, aber er hätte vom Übergangskabinett mehr verlangen können. Nach dem Video darf sich die Bevölkerung, frei nach Rudolf Kirchschläger, die „Trockenlegung der Sümpfe und sauren Wiesen“ erwarten. Nummer 3: Wer mit Verweis auf die gängige Expertenmeinung einwendet, dass eine Übergangsregierung, die in Sachen Parteispenden und Transparenz durchgreift, gleich wieder abgewählt würde, der irrt. Einen neuerlichen Misstrauensantrag kann sich, mit Blick auf den Wahlgang im Herbst, keine Fraktion leisten.

Aber wir sind in Österreich. Da gewöhnen sich viele sogar an ein mögliches Comeback von Heinz-Christian Strache. War ja nur eine „b’soffene G’schicht“! Das stimmt zwar nicht, aber Hauptsache keine Wellen. Ein Mythos stimmt dann schon: Ein Land hat die Politiker, die es verdient.