Urlaubsreife. Über eine populistische, aber erwartbare Debatte.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 20. August 2019 (05:10)

Darf sich SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner während ihres Urlaubs in einem so genannten Nobel-Club in Südfrankreich aufhalten? Natürlich darf sie das. Wenn sie will und ihr Erspartes gern für so etwas ausgibt, darf sie sich auch gern eine Yacht kaufen (oder wenn das Ersparte nicht reicht, zumindest mieten). Das nennt man Privatvergnügen und bleibt wirklich jedem selbst überlassen. Das alles muss auch nicht zwingend auf die Politik, die jemand vertritt, abfärben.

Allerdings: Ganz so einfach wie gerade beschrieben ist die Sache für die SPÖ nicht. Denn erstens hat die Partei bei der obligatorischen Urlaubsort-Angabe in den Medien in den Wochen davor offenbar geflunkert (Urlaub? Jesolo!). Das macht man nicht. Wenn man auf solche eigenartigen Fragen schon eine Antwort gibt, dann bitte schon eine ehrliche. Sonst könnte noch jemand glauben, dass man es auch bei den politischen Positionen mit der Wahrhaftigkeit nicht immer so genau nimmt.

Und dann ist da natürlich auch noch die Erwartungshaltung, die Generationen an – gerade sozialdemokratischen – Politikern geweckt haben. Da gibt man sich besonders erdig und volksverbunden, geißelt jeden so genannten „Reichen“ und die verkommenen Verhaltenauffälligkeiten der oberen Zehntausend. Wenn man so argumentiert, darf man sich natürlich nicht wundern, wenn einem dann das eigene Verhalten vorgehalten wird. Traurig an der gesamten „Debatte“ ist nur einmal mehr, dass es die Bereitschaft von fähigen Menschen, in die Politik zu gehen, weiter verringern wird.