Verblasster Glanz

Gudula Walterskirchen, Herausgeberin der NÖN, über politische Abstiege.

Erstellt am 22. September 2021 | 04:48

Er war einer der Stars einer jungen Politiker-Generation: Gut aussehend, jung, frisch, charismatisch und modern. Der liberale kanadische Premierminister Justin Trudeau gewann 2015 fulminant, er trat für alles ein, was im Mainstream als „richtig“ und „gut“ gilt: die Legalisierung der Sterbehilfe und von Cannabis, CO2-Steuer und Flüchtlingsaufnahme. Dennoch verblasste sein Glanz bald. Trudeau fuhr dann in der Pandemie einen restriktiven Kurs und baute auf vorgezogene Neuwahlen. Die Wähler goutierten seine Taktik nicht.

Gewählt wird auch in Deutschland. Dort galt die Grüne Annalena Baerbock als Shooting-Star, war Liebling der Medien. Ihr Abstieg in den Umfragen erfolgte ebenso rasch, wie sie aufgestiegen war. Sie könnte sich als Sternschnuppe erweisen. In Deutschland, immerhin der wichtigsten Nation der EU, schaut es insgesamt beim politischen Personal recht trostlos aus. Angela Merkel hat es nicht geschafft, starke Persönlichkeiten für eine Nachfolge aufzubauen. Und auch in der SPD gaben sich schwache Vorsitzende die Klinke in die Hand.

Frankreich wählt in einem halben Jahr. Präsident Emmanuel Macron muss um sein Amt zittern. Er hat vieles falsch gemacht, gilt als abgehoben. Mit den „Gelbwesten“ etablierte sich in breiten Kreisen der Bevölkerung der Widerstand gegen seine Politik. Der frühere Shooting-Star wird in Meinungsumfragen vom früheren Enfant terrible, Marine Le Pen, mit ihrer nationalistischen Rechtspartei überholt.

Eines ist allen Beispielen gemeinsam: Die Stimmung kann sich rasch ändern.