Brückenbauer gesucht. Politikberater Thomas Hofer über den Verlust ausgleichender Kommunikation.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 15. September 2021 (04:51)

Das Phänomen ist nicht neu. Im Präsidentschaftswahlkampf 2016 war die Bevölkerung entlang mehrerer Fragen tief gespalten. Es gab nichts, was die Lager um Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer gemein gehabt hätten. Für die Hofer-Anhänger waren die Wähler Van der Bellens verblendete Gutmenschen mit kommunistischem Background. Umgekehrt verhöhnten Van der Bellen-Fans ihre Gegenüber als Verlierer und rückständig.

Dass so kaum Versöhnung gelingen kann, ist wenig verwunderlich. Gerade jetzt eskaliert die Situation aufgrund der sich wieder zuspitzenden Corona-Lage erneut. Die Argumente für die Impfung sollten überzeugend sein. Sollten. Was dominiert, ist die hemmungslose Verachtung des Gegenübers.

Geimpfte haben genug und wollen endlich Vorteile aus ihrem Verhalten ziehen. Ungeimpfte sehen am Horizont die Zwei-Klassen-Gesellschaft herauf dräuen. Auch wenn die Fakten eine klare Sprache sprechen – abwertende Kommunikation erzeugt nur mehr Irrationalität. Es braucht endlich eine seriöse Kampagne fürs Impfen in alle zweifelnden Gruppen hinein. Ohne Untergriffe. Ohne belehrenden Unterton. Es braucht Brückenbauer.

Schlucken Sie also bei der nächsten Diskussion Ihren (berechtigten) Furor runter und machen Sie einen Schritt auf den Anderen zu. Paul Watzlawick nannte das „paradoxe Intervention“. Davon brauchen wir jetzt mehr. Denn es geht hier nicht nur um die Bekämpfung der Pandemie. Es geht auch um die Besinnung auf gemeinsame gesellschaftliche Prinzipien. Diese brauchen wir auch nach der Pandemie noch.