Kurz-Schluss?

Politikberater Thomas Hofer über den spektakulären Kanzlerwechsel der ÖVP.

Thomas Hofer
Thomas Hofer Erstellt am 13. Oktober 2021 | 05:00

Die Politik ist an Paukenschlägen ohnehin nicht arm. Aber was sich zuletzt abspielte, war eine eigene Kategorie. Sebastian Kurz, einstiger Hoffnungsträger über Parteigrenzen hinweg, musste nach Vorwürfen über eine mutmaßliche Involvierung in die Fälschung von Umfragen und die missbräuchliche Verwendung von Steuergeld als Kanzler in die zweite Reihe treten. Die Grünen hatten das zur Bedingung für die Fortsetzung der Regierungs-„Zusammenarbeit“ gemacht.

Nun sitzt Kurz im Wartesaal, bestimmt im Hintergrund die Geschicke von Partei und VP-Regierungsteam und hofft nach aus seiner Sicht positiver Erledigung der Justiz-Affären auf den fliegenden Wechsel zurück ins Kanzleramt. So einfach wird das schon rein zeitlich nicht.

In Sachen voreiliger rechtlicher Beurteilung, da hat Kurz recht, ist Mäßigung geboten. Jetzt schon klar ist allerdings, dass der Lack an der Inszenierung der „Neuen Volkspartei“ ab ist. Wir müssen auch die Geschichte der Wahl 2017 umschreiben: Bislang echauffierte man sich zu Recht über die Dirty Campaigning-Attacken der SPÖ und ihrer Berater auf Kurz – siehe gefälschte Facebook-Seiten. Kurz hatte sich damals als supersauberer Kandidat präsentiert. Nun wissen wir: Der Sittenverfall und das Dirty Campaigning wurden auch von der ÖVP auf die Spitze getrieben.

Was bleibt, ist eine verunsicherte oder hoch emotionalisierte Wählerschaft. Das Systemzutrauen leidet, die Gräben werden tiefer. Egal, wer der aktuell Handelnden künftig regiert – die Rückgewinnung von Vertrauen scheint auf längere Sicht illusorisch.